Kommunale Energieversorger mit Gewinnzuwachs

Die Gewinne kommunaler EVU sind 2015 im Schnitt um fast 7 % gestiegen, so eine Studie. Allerdings nehme die Verschuldung auch weiter zu.
nach Quelle: E&M PowerNews, 13. Juni 2017
Das sind zwei der Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen 2015 von 300 Energieversorgern durch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Demnach legten die Ergebnisse vor Ausschreibungen (Ebitda) im Mittel um 6,9 % zu. Auch die Rentabilität sei auf 15 % angestiegen − der höchste Wert seit 2010.
 
„Unter dem Strich bedeuten die Resultate eine positive Überraschung“, erklärt Bernd Papenstein, Finanzierungsexperte bei PwC im Bereich öffentlicher Sektor. Denn trotz der vielfältigen Belastungen für die Branche sei es den EVU gelungen, ihr operatives Kerngeschäft zu stabilisieren oder sogar zu stärken. „Wir sehen, dass die EVU die Herausforderungen inzwischen deutlich offensiver angehen, als das noch vor drei, vier Jahren der Fall war.“
 
Trotz der guten Lage sei jedoch Vorsicht geboten, erklärt PwC. Angesichts einer steigenden Verschuldung liege der dynamische Verschuldungsgrad mit 2,3 höher als 2014. Bei 21 % der untersuchten Unternehmen liege der Wert zudem oberhalb der Kritischen Grenze von 4,0. Als wesentlichen Faktor sieht Papenstein die hohe Kreditbedürftigkeit der EVU. Er rät, dass die Unternehmen die aktuelle Situation dazu nutzen sollten, sich für den Fall steigender Zinsen fit zu machen.
 
Die Spreizung der Finanzlagen in der Energiebranche sei groß. Das zeige auch die bilanzielle Eigenkapitalquote. Im Schnitt sei sie zwar auf 34,4 % gestiegen, allerdings liege sie bei jedem sechsten kommunalen Energieversorger zu Teil deutlich unter 25 %. EVU schütteten 2015 fast 92 % ihrer Überschüsse an ihre Gesellschafter aus. „Das mag zur Finanzierung anderer kommunaler Aufgaben existenziell sein, zehrt aber an der Finanzkraft der Unternehmen“, so Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC.
 
Erstmals hat PwC in Rahmen der Untersuchung auch die Bilanzen von 75 kommunalen Konzernverbünden betrachtet. Die mittlere Eigenkapitalquote liege mit 29,6 % deutlich niedriger als bei klassischen EVU. Zugleich sei der mittlere dynamische Verschuldungsgrad mit gut 4 % deutlich höher. Rund ein Fünftel der Konzerne habe 2015 Verluste gemacht. Durch eine Analyse durchschnittlicher Entschuldungsdauern zeige sich, wie hoch der Beitrag von EVU trotz schwächerer Bilanzen zum finanziellen Querverbund ist. Vor Gewinnabführung liegen die Unternehmen bei einem Medianwert von 3,9 Jahren, so PwC. Nach Gewinnabführung steige der Wert auf 5,5 Jahre und liege nur noch knapp unter dem der Konzerne (6,3 Jahre).
 
Bei vielen Projekten stelle man fest, dass der Strukturierungsbedarf besonders hoch sei, sagt Experte Papenstein. „Wir erleben immer öfter, dass die Gewinne der EVU den Kapitalbedarf des Gesamtkonzerns – anders als früher üblich – nicht mehr vollständig decken. Darum müssen die Kommunen alternative Finanzierungsansätze entwickeln, die in ihrer Komplexität über die klassische EVU-Finanzierung hinausgehen.“
 
Autor: Jonas Rosenberger
 
Weitere Informationen: http://www.pwc.de/evustudie2017