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Strukturierte Prozesse sind Basis effizienter IT-Lösungen

Rückblick Kooperationsforum "Digitalisierung in der Logistik"

Adaptive IT-Lösungen in der Cloud ermöglichen wechselnde Supply Chains und werden zunehmend zum Wettbewerbsvorteil.

Automatisierte Produkt- und Paletten-Identifikation ermöglicht nicht nur einen optimierten Workflow an der Rampe sondern auch Schutz vor Produktpiraterie in der Supplychain.

Die Wirtschaft befindet sich auf der Schwelle zur „Digital Industrial Economy", in der die physische und die digitale Welt noch enger zusammenwachsen. In vielen Bereichen ist die Nutzung von IT-Anwendungen seit langem ein Grundpfeiler erfolgreicher Geschäftsprozesse. Ein optimiertes Zusammenspiel von IT- und Kommunikationslösungen ist die Voraussetzung für die zukünftige industrielle Produktion. Weltweit verzahnte Lieferketten erfordern schnellen Datenaustausch über Unternehmensgrenzen hinweg. SMART-Factory oder Industrie 4.0 sind nur so umsetzbar. Auch in der Logistik schreitet die Digitalisierung unaufhaltsam voran. Zahlreiche Unternehmen setzen bereits Softwarelösungen zur strategischen Analyse und flexiblen Gestaltung komplexer Logistiknetze ein. Die passende Logistiksoftware hilft bei der effizienten Nutzung vorhandener Ressourcen, wie z. B. der optimalen Auslastung des Frachtraums oder der Beschleunigung von Verladeprozessen. Nicht zuletzt durch Herausforderungen wie Fahrermangel, überlastete Verkehrswege, gesetzliche Auflagen, steigende Gütermengen und Transportkosten, arbeitsteilige Produktion an international verteilten Standorten oder der wachsende Anteil des eCommerce gilt die Logistik als Trendsetter bei der Umsetzung des Megatrends „Digitalisierung“ in praxisnahe Lösungen.
Um auf Dauer erfolgreich zu bleiben, müssen sich Verlader und Dienstleister aber noch stärker mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen.

Das Kooperationsforum „Digitalisierung in der Logistik" am 3. Juli 2014 in der IHK Aschaffenburg stellte entsprechende Trends und konkrete Lösungen für Logistikdienstleister vor. Ein Schwerpunkt des von Bayern Innovativ gemeinsam mit der IHK Aschaffenburg und dem bayerischen IT-Logistikcluster konzipierten Kooperationsforums lag auf der Integration des Frachtmanagements in die Prozesse des Verladers. Dazu zählen neben modernem Rampenmanagement auch die Themen Cloud und Big Data in der Logistikwertschöpfung oder der Einsatz von IT-Logistik im Standortverbund.

Am Vormittag nutzten 35 Teilnehmer die Chance, sich ein Bild von den Logistikabläufen der Gries Deco Company GmbH zu machen. Sie besuchten das neue Verteilzentrum in Niedernberg und bekamen einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Standortes und die Logistikprozesse für die Marke DEPOT. Für diese wickelt die Gries Deco Company die gesamte Sortimentsangebotsgestaltung vom Trendscouting, Design, Präsentation und Inszenierung der Ware, der Shopgestaltung und –layout bis hin zum Kommunikationskonzept ab.
Im Rahmen einer Zielstrategie wurde schon 2009 festgelegt, die Logistikprozesse in den Filialen zu reduzieren, um die Flexibilität zu steigern. Gepaart mit einem angepassten Lieferprozess sollten so die Bestände optimiert werden. Für den Zeitraum 2009 bis 2014 war die Zielvorgabe ein Wachstum von 150 auf 460 Filialen, von 126 Mio € auf 469 Mio € Umsatz und von 2500 auf 6500 Mitarbeiter zu erreichen. Das fast alle Ziele erreicht und zum Teil sogar übertroffen wurden, lag auch an einer konsequenten Netzwerkoptimierung inklusive digitaler Lagerplanung. Hierfür wurden in dem integrativen Ansatz neben der Identifikation eines optimalen Standortes auch Szenarienbetrachtungen und Materialflusssimulationen unter Berücksichtigung von Vorgabezeiten simuliert. Die Entscheidung für den Standort fiel auf ein CrossDock in der Region Rhein-Main.

Den nachmittäglichen Vortragsteil eröffnete Prof. Dr. Thomas Krupp vom Schmalenbach Institut für Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule Köln. In seiner Key-Note appellierter er an die Entscheider in den Unternehmen, die IT nicht als reinen Kostenfaktor zu betrachten, sondern als Grundlage für eine Erhöhung der Rentabilität. So ist z. B. eine effiziente Arbeitsteilung im Rahmen der Wertschöpfungsketten ohne den Einsatz von IT nicht denkbar. Dies ist insofern bedeutend, da heute ganze Wertschöpfungsketten im Wettbewerb zueinander stehen. Unternehmen können sich durch den effizienten Einsatz von IT in der Logistik vom Wettbewerb abheben und sich so ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten. Allerdings kann die IT nicht alles lösen– schon gar nicht auf der konzeptionellen Ebene. Modelle und strukturierte, geplante Prozesse sind die Basis für einen sinnvollen IT-Einsatz.

Ein Beispiel hierfür ist ein optimierter Workflow an der Rampe. So kann durch den Einsatz von Gatescannern zum einen das Lagerpersonal an der Rampe entlastet werden, zum anderen werden Falsch- und „Zu viel“ Verladungen nahezu unmöglich. Durch die präzise Erfassung der Paletten bei der Verladung wird eine hundertprozentig korrekte Zuordnung und Rückverfolgbarkeit jedes einzelnen Ladungsbestandteils erreicht.
Wird dies noch kombiniert mit einer digitalen Rampensteuerung im Vorfeld, wie sie aktuell im bayernhafen Aschaffenburg in Planung ist, ergeben sich deutlicheZeit- und somit Kostenvorteile für Dienstleister und Verlader. Hierfür ist ein vorgelagertes LKW-Parkhaus in Planung, das kurze Zeittakte trotz nicht planbarer Verzögerungen, wie z. B. durch Staus, ermöglich soll. Mittels einer App weiß der Verlader auf der einen Seite, wo sich welcher LKW befindet und der Fahrer auf der anderen Seite, wann er an welcher Stelle seine ladenkann. Durch diese Informationen sind für beide Seiten schnelle Umplanungen im Ablauf möglich.

In diesem Zusammenhang wurde auch über die Trends, Nutzen und Gefahren von Logistik in der Cloud,  diskutiert. Die meisten Teilnehmer waren sich darin einig, dass in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung kaum noch ein Unternehmen um dieses Thema herum kommen wird, sei es als Lösungsanbieter oder Nutzer. Prognosen gehen davon aus, dass spätestens im Jahr 2017 die Hälfte aller Unternehmen Cloud-Technologien nutzen werden.
Auf der Nutzerseite muss vielfach erst Bewusstsein für mögliche juristischen Fallstricke geschaffen werden. Je nach dem, was in bzw. mit einer Cloudlösung gemacht wird, können zahlreiche Rechtsgebiete betroffen sein. Hier empfiehlt es sich zum einen die Angebote sorgfältig zu vergleichen und zum anderen vor Vertragsabschluss einen Juristen hinzu zu ziehen.
Grundsätzlich gilt, dass es derzeit keine hundertprozentig sicheren aber zahlreiche sehr gute Cloudlösungen für die Logistikbranche gibt. Wichtig ist auch hier wieder die sorgfältige Planung im Vorfeld, also die Strukturierung der eigenen Prozesse als Basis. Zudem sollte sich jeder potenzielle Nutzer Gedanken darüber machen, wie er aus einer Cloud-Lösung, z. B. bei einem Anbieterwechsel wieder herauskommt, ohne seine Daten zu verlieren bzw. öffentlich zugänglich zu machen.

Die großen Datenmengen, auch Big Data genannt, die durch die wachsende Digitalisierung der Wertschöpfungskette entstehen, bieten gerade für die Logistik enorme Potenziale. Die Logistikindustrie schließt die Lücke zwischen Produktion und dem Endkunden und unterstützt das Supply Chain Management in den Bereichen Zeit, Qualität und Kosten durch ein „Mehr“ an Transparenz und Sicherheit.  Cloud Technologien bieten die Voraussetzung für die übergreifende Vernetzung von Daten, die über Big Data Methoden auch in Echtzeit analysiert werden können. So können sie neben der bereits genannten Chargen- und Produktrückverfolgung auf für einen wirkungsvollen Fälschungsschutz eingesetzt werden.

Die Diskussion dieser speziellen Themen der Digitalisierung in der Logistik und der Erfahrungsaustausch bot den Entscheidern und Experten aus den unterschiedlichsten Branchen zahlreiche neue Impulse für die eigenen Vorhaben. Aufgrund der überaus positiven Resonanz der 75 Teilnehmer sind weitere Foren zu diesem Thema in Planung.