Mehr Biomethan für den Verkehr

Biomethan, auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas, kann künftig verstärkt sowohl im Wärmemarkt wie auch im Kraftstoffsektor genutzt werden.
nach Quelle: E&M PowerNews, 2. Dezember 2016

Biomethan, auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas, kann künftig verstärkt sowohl im Wärmemarkt wie auch im Kraftstoffsektor genutzt werden.  

Eine Reihe von Regelungen im EEG-2017 sei für Biomethan positiv, sagte Berthold Goeke, Leiter der Unterabteilung Klimaschutzpolitik im Bundesumweltministerium bei der Jahreskonferenz der Initiative biogaspartner in Berlin. „Bioenergie kann eine Rolle spielen bei der Nutzung von Rest- und Abfallstoffen sowie bei der zweiten Generation von Biokraftstoffen.“
 
Für den Verkehr, der laut Klimaschutzplan bis 2030 eine CO2-Minderung um 40 bis 42 % erreichen soll, kündigte Goeke für 2017/18 konkrete Maßnahmenpakete an. Der Klimaschutzplan 2050 sehe auch vor, Subventionen auf ihre Kontraproduktivität zu untersuchen. Für den Wärmemarkt erwartet er „in dieser Legislaturperiode keine große Lösung“. Der Klimaschutzplan enthalte einen Prüfauftrag, wie mehr erneuerbare Energien in den Gebäudebestand zu bekommen seien.
 
Die Biomethanbranche, vor zehn Jahren mit großen Hoffnungen angetreten, verzeichnete 2015 einen Anteil von 2,1 % an den erneuerbaren Energien im Strom-, Wärme- und Verkehrssektor. Laut dem Branchenbarometer Biomethan 2016 der Deutschen Energie-Agentur (dena) lag der Anteil im Wärmemarkt mit 2,7 % am höchsten, im Verkehr mit 1,1 % am niedrigsten. Trotz dieser geringen Anteile – beim Strom waren es rund 1,7 % an Regenerativstrom – ersparte Biomethan der Umwelt 3,2 Mio. Tonnen an CO2-Emissionen.
 
Ende Oktober 2016 waren laut dena 194 Biomethan-Einspeiseanlagen in Betrieb. „Der Ausbau ist fast vollständig zum Erliegen gekommen“, so Zoltan Elek, Geschäftsführer der Landwärme GmbH. Es gebe noch „ein paar Pioniere, ein paar Überzeugungstäter“, die in Biomethan investierten. Das EEG-2014 habe einen radikalen Einschnitt für Biogas/Biomethan bedeutet, im EEG-2017 werde nun die Ausschreibung „als neues Heilmittel“ gesehen.
 
Mehr Biomethan hilft der Wärmewende
 
Dennoch wertet Elek Biomethan als „gewissen Joker“ für die Wärmewende, die noch kaum begonnen habe. „Im urbanen Raum ist Biomethan eine der wenigen sofort verfügbaren Optionen. Die Umstellung von Wärmenetzen auf Biomethan-KWK ist wirtschaftlich möglich.“ 2016 werde das Jahr mit dem niedrigsten Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr, sagte Elek.
 
Hoffnung für den Verkehrssektor schöpft die Branche aus den Bereichen Schwerlast- und Schiffsverkehr. Mit verflüssigtem Biomethan (LBG – Liquefied Biogas) könnte zusätzlich zur CO2-Minderung auch der NOx- und Feinstaubproblematik entgegengewirkt werden.
 
Der Anlagenbauer HZI Biomethan GmbH ist überzeugt, dass ohne eine Anpassung der Rahmenbedingungen der Zubau mit fünf bis zehn Anlagen pro Jahr auf niedrigem Niveau bleibt. Geschäftsführer Karsten Wünsche verweist auf das Beispiel Schweiz, dort entstünden viele kleine Anlagen in der kommunalen Abfallverwertung, auch Projekte für Kläranlagen seien in Arbeit. „Das Potenzial in Deutschland ist da, aber erste Gespräche verlaufen zäh.“ Er fordert mehr Aufmerksamkeit von Industrie und Politik ein.
 
Hoffnungsvoll sieht er auch auf die kommenden 2020-er Jahre. Viele Biogasanlagen seien vor 2004 entstanden, was geschehe, wenn sie ohne EEG-Förderung auskommen müssten? „Es gibt auf dem deutschen Markt Anlagen, für die es interessant ist, in die Biomethan-Einspeisung zu gehen.“

Autor: Helga Bodenstab