Kochrezept für Netzbetreiber

Eine neue VDE-Studie zeigt den Weg zum „atmenden“ Stromnetz.
nach Quelle: E&M Powernews, 18. April 2016

Wenn die Energiewende gelingen soll, müssen die Stromverteilnetze jetzt umgebaut und flexibilisiert werden, betont der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. in Frankfurt. Was zum Umbau notwendig ist, hat der VDE jetzt in der Studie „Schutz- und Automatisierungstechnik in aktiven Verteilnetzen“ zusammengestellt.

Der Grundgedanke: Die Verteilnetze, in die 95 % des erneuerbaren Stroms eingespeist werden, müssen so ertüchtigt werden, dass sie sich automatisch bestmöglich an die Einspeise- und Lastverhältnisse anpassen können. Aus den bisher klassischen „Einbahnstraßen-Verteilnetzen“ (also mit Stromfluss vom Kraftwerk zum Verbraucher) müssen „gegenverkehrsfähige“ und flexible Smart Grids werden, die Stromflüsse in beiden Richtungen sicher bewältigen und im Fehlerfall sicher unterbinden können.

Dazu ist die Ausrüstung mit IT-Intelligenz nötig. Sie soll dafür sorgen, dass die Schutz- und Automatisierungstechnik auch bei geänderten Betriebsbedingungen funktioniert, dass Last- und Einspeiseverhalten, Spannung, Blindleistung, Netzschutzparameter und Netztopologie situativ und automatisch bis in die Niederspannungsebene angepasst werden können.

Die Studie zeigt auf, wie dies gelingen kann, welche zusätzliche Technik dazu eingebaut werden muss, und welche Standards bei Steuerungs- und Schutztechnik noch geschaffen werden müssen. Sie beschreibt dazu zunächst den Handlungsbedarf, dann die Anforderungen an die Beteiligten auf allen Spannungsebenen und formuliert danach Empfehlungen. Diese beschreiben auch Änderungen an ordnungspolitischen Rahmenbedingungen und schließen so in die Empfehlungen auch die Politik und die Regulierungsbehörden mit ein. Außerdem thematisiert die Studie die steigende Anzahl von Marktteilnehmern und neue Geschäftsmodelle.

Der VDE weist darauf hin, dass die Verantwortung für Bewertung, Auswahl und Umsetzung des jeweiligen Automatisierungskonzepts grundsätzlich beim Netzbetreiber liegen muss. Die für die Umrüstung notwendige Technik sei verfügbar. Die Autoren der Studie wollen zeigen, wie man sinnvoll und kostenoptimal bei der Modernisierung der Netze vorgehen kann. Man gebe den Netzbetreibern „Kochrezepte“ an die Hand, mit deren Hilfe sie die Modernisierung ihres Netzes planen können, betonten die Autoren bei der Vorstellung der Studie.

Weitere Informationen:

www.vde.com

Armin Müller