Den vielfältigen Nutzen der Energieeffizienz zeigen

Es geht nicht nur um Energieeinsparung. Energieeffizienz bringt mehr Sicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Chancen, Wettbewerbsfährigkeit, Arbeitsplätze und Komfort.
nach Quelle: E&M powernews, 21.02.2018

Nach Ansicht der DUH sollte es wegen der Probleme im Gebäudebestand beim Neubau hohe Standards geben, sie plädiert für den KfW-Effizienzhaus-Standard 40.

Bild: iStock@ivansmuk

 

„Unser Ziel ist es, dass Deutschland auch im Energiebereich eines der innovativsten Länder bleibt. Gerade Energieeffizienztechnologien bieten vielfältige Chancen für die deutsche Wirtschaft und eröffnen neue Geschäftsfelder, nicht nur für große Unternehmen, sondern auch für Start-ups. Dieses Potenzial müssen wir noch besser nutzen“, betonte die geschäftsführende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries bei der Jahresauftaktkonferenz der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (Deneff) in Berlin. Das Motto der Konferenz lautete: „Weniger + MEHR – die vielen Vorteile der Energieeffizienz“.

„Ambitionierte Effizienzziele stoßen technische Innovationen an“, so Ministerin Zypries – ein Punkt, den auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, für wichtig hält. „Energieeffizienz hilft, Arbeitsplätze zu erhalten und neue Beschäftigung zu schaffen“, sagt er. Sie sei ein Mittel zur Standortsicherung, denn wenn in Unternehmen die Energiekosten sänken, falle auch der Druck auf die Personalkosten. Durchschnittlich, so Hoffmann, entfielen in Unternehmen 45 % der Kosten auf Energie und Rohstoffe. Sie zu reduzieren, stärke auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Der DGB-Chef mahnt: „Wir brauchen dringend eine Strategie für Innovationen und Energieeffizienz in der Industrie.“ Beschäftigte und Betriebsräte könnten Hinweisgeber für konkrete Effizienzmaßnahmen in den Betrieben sein: etwa Betriebsräte als „Effizienzscouts“.

 

Steigender Energieverbrauch trotz Entkoppelung vom Wachstum

Zypries verwies darauf, dass trotz der Erfolge beim Ausbau der erneuerbaren Energien der „absolute“ Energieverbrauch seit 2015 wieder gestiegen ist. „Wir dürfen die zweite Säule der Energiewende nicht vernachlässigen“, so Zypries. Zwar sei es gelungen, den Verbrauch vom BIP-Wachstum zu entkoppeln, doch reichten die Fortschritte nicht. „Wir müssen den Verbrauch drastisch senken, sonst können wir unsere Ziele nicht erreichen“, betont die Ministerin.

Das verdeutlichen auch Zahlen, die der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) präsentierte: So soll der Gebäudebestand, der rund ein Drittel beim Energieverbrauch und den Emissionen ausmacht, laut dem Ziel im Klimaschutzplan bis 2050 weitgehend klimaneutral sein. Der Wärmeverbrauch in Gebäuden sollte bis 2020 um 20 % gegenüber 2008 gesenkt werden. „Erreicht sind bisher nur 11,1 %“, so Sascha Müller-Kränner.

Einig ist man sich darin, dass noch viel zu tun ist und die Politik als Impulsgeber fungieren kann und muss. Carsten Müller, Bundestagsabgeordneter und Deneff-Vorstandsvorsitzender, hob den Stellenwert der Energieeffizienz im Koalitionsvertrag hervor: „Wir wollen die Große Koalition beim Wort nehmen, die ‚Deutschland zur energieeffizientesten Volkswirtschaft der Welt‘ machen will.“ Dann könnten aus den aktuell rund 600 000 Arbeitsplätzen, die die Branche stellt, noch mehr werden.

 

Steuerliche Förderung sollte 5 Mrd. Euro pro Jahr umfassen

„Die Energiewende muss auch eine Effizienzwende werden“, betont auch DGB-Chef Hoffmann. Der Koalitionsvertrag habe hier Stärken und Schwächen. „Ich fände es gut, die Projekte anzupacken, mit denen wir zusammen mit der EU einen substanziellen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten können“, so Hoffmann. Positiv sieht der Gewerkschafter, dass das Prinzip „Efficiency first“ verankert wurde und eine umfassende Energieeffizienz-Strategie entwickelt werden soll.

„Es bleibt aber unklar, welche Maßnahmen damit verbunden werden sollen.“ Es fehlten Anreize für private und öffentliche Investoren. „Das Gebäude-Energiegesetz wäre ein wichtiger und notwendiger Schritt, ein übersichtliches Ordnungsrecht zu schaffen“, so Hoffmann. Neuen Schwung könnte die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung bringen, meint er. „Aber die Haushaltsmittel sind deutlich zu gering. Die Groko sollte einen Gang zulegen und sie auf 5 Mrd. Euro pro Jahr erhöhen.“

Auf jeden Fall sollte die steuerliche Förderung einkommensneutral sein, betonen der DGB-Chef wie auch DUH-Geschäftsführer Müller-Kraenner. Er kritisiert, dass im Koalitionsvertrag keine konkrete Höhe für die Vergünstigung angegeben wird und auch die Gegenfinanzierung nicht geklärt sei. Im Bestand sollte die Förderung aus Sicht der DUH zielgruppengenauer ausgerichtet werden. Investitionen in die Gebäudehülle sollten mit den Investitionen in die Heiztechnik abgestimmt werden.

 

Ambitionierte Standards im Neubau

Die vorgesehene Absenkung der Modernisierungsumlage für Mieter wird begrüßt, doch sollte sie unter sozialem Aspekt langfristig auf 6 % gesenkt werden, meint Müller-Kraenner, der in den Groko-Plänen insgesamt eher ein „Festhalten am Status Quo“ sieht.

Nach Ansicht der DUH sollte es wegen der Probleme im Gebäudebestand beim Neubau hohe Standards geben, sie plädiert für den KfW-Effizienzhaus-Standard 40. „Im Neubau hat man die Chance, alles richtig zu machen“, betont Müller-Kraenner. Ein wichtiges Thema sei zudem die Dekarbonisierung der Wärmenetze, bei der die KWK eine große Rolle spiele. „Wir brauchen eine Kombination aus einer Effizienz- und einer Erneuerbaren-Strategie“, hier habe die Wärmepumpe „eine Schlüsselrolle“, sagt Müller-Kraenner. Und schließlich sollte die Politik eine Energiebesteuerung nach dem CO2-Gehalt einführen.

Ministerin Zypries betonte die Bedeutung der Digitalisierung für die Energieeffizienz. Sie deutete Weiterentwicklungen des nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) an, bei der wohl die Instrumente auf den Prüfstand kommen. Immerhin sollen bestehende Förderprogrammen, etwa für innovative Verfahren und Industrieprozesse wie auch für Gebäudeeffizienz weiter geführt werden.

Autor: Angelika Nikionok-Ehrlich