Lichtblick kritisiert Ladesäulen-Betreiber

Stromtanken an öffentlichen Ladesäulen ist oftmals kompliziert und zu teuer, kritisiert das Hamburger Energie- und IT-Unternehmen Lichtblick SE nach nach einem Ladesäulen-Check.
nach Quelle: E&M PowerNews, 12. Juli 2017


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Fahrer von Elektroautos zahlen in der Spitze für eine Reichweite von 100 Kilometern inklusive einmaliger Gebühren bis zu 25 Euro, hat das Recherche- und Marktforschungsunternehmen Statista im Auftrag von Lichtblick festgestellt. Intransparente Stromtarife und Zugangshürden würden die Verbraucher abschrecken und für Orientierungslosigkeit an Deutschlands Ladesäulen sorgen.
,,Selbst die Experten benötigten für unsere Untersuchung mehrere Tage, um die Tarife und Preise der verschiedenen Betreiber vergleichen zu können“, kritisiert Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft von Lichtblick. Mit diesem System sei die Verkehrswende zum Scheitern verurteilt, so Lücking.
Nach Angaben von Lichtblick rechnen die meisten Ladesäulenbetreiber nicht nach Verbrauch, sondern nach Ladezeit ab. Dadurch ergeben sich umgerechnet auf den Preis pro Kilowattstunde oftmals sehr viel höhere Preise als für Haushaltsstrom. Den teuersten Ladestrom liefern laut der Lichtblick-Untersuchung die vor allem im Rhein-Ruhr-Gebiet vertretene Innogy SE mit 66,9 Cent. Es folgen die EWE im Elbe-Weser-Ems-Gebiet mit 52,7 Cent, die Stadtwerke München mit 47,3 Cent und der Berliner Anbieter Allego/The New Motion mit 32,2 Cent. Besonders teuer sei auch das Laden im Großraum Stuttgart. Betreiber EnBW verlangt hier einen Kilowattstundenpreis von 32,4 Cent und eine einmalige Registrierungsgebühr von 20 Euro.
Insgesamt seien diese Tarife laut Lichtblick wesentlich teurer als Haushaltsstrom, der durchschnittlich 29 Cent je Kilowattstunde koste. Auf dem Niveau von Haushaltsstrom ließe sich bei Stromnetz Hamburg/Hamburg Energie (29,5 Cent), bei de Mainova im Rhein-Main-Gebiet (18,8 Cent) und bei den Stadtwerken Dresden (13,5 Cent) ein Elektrofahrzeug aufladen. Kostenlos könnten E-Autofahrer hingegen inLeipzig, bei den Stadtwerken Düsseldorf und bei der Rheinenergie in Köln tanken. Die Autoren der Lichtblick-Studie vermuten, dass eine Abrechnung aufgrund der geringen Ladevorgänge derzeit noch nicht rentabel sei.
Als weiteres Hindernis für Elektromobilisten hat die Studie den Zugang zu den Ladesäulen identifiziert. So sei ein spontanes Stromtanken nur bei drei der Elf untersuchten Ladesäulenbetreibern möglich. Zudem habe der Praxistest ergeben, dass beim Laden an öffentlichen Ladesäulen oft auch noch versteckte Kosten anfallen können. So ermöglicht Stromnetz Hamburg als Netzbetreiber zwar das direkte Aufladen und Bezahlen per SMS, dafür wird, wenn kein Stromanbieter gewählt wird, aber ein zusätzlicher Starttarif von 1,73 Euro und ein fester Aufschlag von 12,5 % auf den Gesamtbetrag als Servicegebühr fällig, teilte Lichtblick mit.
 
Autor: Kai Eckert