Mehr Redispatch und Abregelung

In ihrem Jahresbericht 2016 gibt die Bundesnetzagentur (BNetzA) einen Überblick über die Maßnahmen, die im vorausgegangenen Jahr notwendig waren, um das Stromnetz stabil zu halten.
nach Quelle: E&M PowerNews, 08. Mai 2017


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Zwar schreite der Netzausbau voran, er könne allerdings noch nicht mit dem Wandel der Erzeugungslandschaft Schritt halten, heißt es im 176-seitigen Papier der Bundesnetzagentur. In den vergangenen Jahren sei daher die Zahl der Eingriffe stark gestiegen.
Da das Gesamtvolumen des sogenannten Redispatch erst mit zeitlicher Verzögerung ermittelt und veröffentlicht wird, sind im Jahresbericht 2016 die Zahlen von 2015 aufgeführt.
 
Insgesamt habe sich der Redispatch-Einsatz im Betrachtungsjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 16 Mrd. kWh mehr als verdreifacht. Die Kosten dafür beliefen sich auf 411,9 Mio. Euro. Die Bundesnetzagentur stützt sich dabei auf Schätzungen der Übertragungsnetzbetreiber.
 
Die Summe der Ausfallarbeit durch Einspeisemanagement, also durch die Abregelung von Erzeugungsanlagen, beziffert die Behörde mit rund 4,7 Mrd. kWh, was ebenfalls einer Verdreifachung entspreche. Dafür seien den Anlagenbetreibern etwa 315 Mio. Euro als Entschädigung ausgezahlt worden.
 
In ihrem Bericht zum ersten Quartal 2016 hatte die Bundesnetzagentur im Herbst des vergangenen Jahres betont, dass 2015 die Mehrzahl der Maßnahmen des Einspeisemanagements zwar im Verteilnetz vorgenommen worden seien. Entgegen bisheriger Vorstellungen seien die Ursachen dafür jedoch zu ca. 89 % auf Probleme in den Übertragungsnetzen zurückzuführen gewesen.
 
Aufgrund günstiger Witterungsbedingungen und der Fertigstellung der Thüringer Strombrücke genannten Übertragungsleitung sei die Zahl der Eingriffe der Netzbetreiber in den Kraftwerksbetrieb im Jahr 2016 jedoch deutlich zurückgegangen. Um rund ein Viertel hätten sich die Maßnahmen des Redispatch und Einspeisemanagements im vergangenen Jahr verringert, teilte die BNetzA mit. Genaue Zahlen sollen „in einigen Wochen“ folgen. Allerdings sei eine echte Trendwende bei der Zahl der Eingriffe erst dann zu erwarten, wenn der Netzausbau nach der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke vollendet sei.
 
Die vor allem im Winter benötigte Netzreserve, um noch fehlende Redispatch-Leistung sicherzustellen und Engpässe zu vermeiden, wurde am 29. April 2016 für 2016/2017 und 2018/2019 veröffentlicht. Für den erstgenannten Zeitraum veranschlagte die Bundesnetzagentur einen Bedarf von 5 400 MW. Für 2018/2019 beziffert sie ihn mit lediglich 1 900 MW, da sie von der Einführung eines Engpassmanagements an der deutsch-österreichischen Grenze für die bisher einheitliche Preiszone ausgeht.
 
Die Gesamtkosten der Netzreserve betragen nach Angaben der Behörde für den Zeitraum von 2011 bis 2015 rund 384 Mio. Euro. Davon hätten die Kosten für das Jahr 2015 ersten Schätzungen zufolge alleine 219 Mio. Euro ausgemacht.
 
Autor: Fritz Wilhelm