Forschungsprojekt marTech erprobt Offshore-Technologien

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) fördert den deutschlandweit größten Versuchsstand für die kombinierte Untersuchung von Belastungen durch Seegang und Strömung mit 35 Mio. Euro.
nach Quelle: E&M PowerNews, 16. Oktober 2017
Die Bedingungen für Installationen im Meer sind rauh und stellen hohe Anforderungen an Material, Konstruktionen und ihre Verankerung, ob für Windkraftanlagen, Umspann-Plattformen oder Wellen- und Tideströmungs-Kraftwerke. Im Projekt „marTech‘ − Erprobung und Entwicklung maritimer Technologien zur zuverlässigen Energieversorgung“ wird in Hannover dazu geforscht.
Herzstück dabei ist im Forschungszentrum Küste (FZK), einer gemeinsamen zentralen Einrichtung der Leibniz Universität Hannover und der Technischen Universität Braunschweig, der Große Wellenkanal. Für dessen umfängliche Erweiterung stellt das BMWi jetzt rund 35 Mio. Euro zur Verfügung. Mit weiteren etwa 1,4 Mio. Euro hat das niedersächsische Wissenschaftsministerium die Planungsphase unterstützt.
„Die Windenergienutzung ist eine wichtige Säule der deutschen Energiewende. Die nun geplante Erweiterung des Großen Wellenkanals ermöglicht ein noch besseres Verständnis von den Belastungen der Anlagen auf hoher See und legt damit den Grundstein für die Entwicklung besonders kostengünstiger und verlässlicher Windenergieanlagen“, sagt Uwe Beckmeyer, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Parlamentarischer Staatssekretär im BMWi.
Modellversuche ermöglichen bessere Anlagen-Konzeption
„Die Küsten- und Meeresforschung in Niedersachsen wird mit dem erweiterten Großen Wellenkanal in Hannover über eine Infrastruktur verfügen, die weltweit Maßstäbe setzt“, so die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic.Der Große Wellenkanal besteht aus einer überdachten Trogkonstruktion. In vergleichbarer Art und Größe gibt es laut den Angaben weltweit nur vier weitere Wellenkanäle.
„Wir können damit einen wesentlichen Beitrag zur Erprobung und Entwicklung von Technologien der erneuerbaren Energien auf und aus dem Meer unter wirklichkeitsnahen Bedingungen leisten“, erläutert der Projektleiter der Leibniz Universität Hannover, Torsten Schlurmann. Denn hydrodynamische Belastungen in der Interaktion von Bauwerk, Wellen und Strömung können hier in großmaßstäblichen Modellversuchen simuliert werden.
Schlurmann verweist darauf, dass die immer größer werdenden Tragstrukturen von Offshore-Windenergieanlagen durch dynamische Seegangsbelastungen und Strömungen stark beansprucht werden und unter diesen Dauereinwirkungen zum Teil erheblich ermüden. Forschung zur erwartenden Lebensdauer und zum erforderlichen Unterhaltungsaufwand sei daher essentiell und wird nun durch „marTech“ in neuer Form möglich.


Autorin: Angelika Nikionok-Ehrlich