Weiter Streit um Suedlink

Thüringen will mit dem Naturschutzrecht den Trassenverlauf der Südlink-Leitung beeinflussen. Naturschützer fordern einen Planungs- und Baustopp der Nord-Süd-Stromautobahn.
nach Quelle: E&M PowerNews, 12. Juni 2017


Bildquelle: Fotolia ©Gina Sanders

Thüringen wehrt sich dagegen, dass nach den Plänen des Netzbetreibers Tennet ein Teil der rund 700 Kilometer langen Suedlink-Leitung im Westen des Landes verlaufen soll. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) will die Landesregierung den ehemaligen Mauerstreifen unter Naturschutz stellen, womit die Verlegung eines Erdkabels wohl unmöglich wäre.
Darauf reagierte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) laut dem Bericht mit harscher Kritik: Es entstehe der Eindruck, „dass Naturschutzgründe vorgeschoben werden“, zitiert die FAZ aus einem Brief der Ministerin an Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Dieser lud die Ministerin daraufhin nach Thüringen ein, damit sie sich über alle damit zusammenhängenden Fragen informieren könne, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte.
 
Der Plan, den auf dem ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstreifen verlaufenden Teil des sogenannten „Grünen Bandes“ zum „Nationalen Naturmonument“ zu erklären, sei nicht neu, sondern im Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Regierung vereinbart, wies Ramelow die Kritik von Zypries zurück. „Das war Ende 2014, da war von Suedlink überhaupt noch keine Rede. Eine seit fast zweieinhalb Jahren angekündigte Maßnahme jetzt als spontane Abwehrmaßnahme zu bezeichnen, ist an Absurdität nicht zu überbieten.“
 
In Niedersachsen fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) einen sofortigen Planungs- und Baustopp der Suedlink-Leitung. „Suedlink ist energiepolitisch der falsche Weg, denn er verhindert eine dezentrale Energiewende“, betont der Landesvorsitzende Heiner Baumgarten. In Hannover soll nach DPA-Angaben am 13. Juni auf einer Konferenz der mögliche Trassenverlauf von Scheeßel (Niedersachsen) nach Bad Gandersheim (Niedersachsen) diskutiert werden. Bei der ersten Suedlink-Konferenz in der vergangenen Woche in Osterode (Harz) haben Landwirte verlangt, dass der Boden nach Verlegung der Erdkabel weiter landwirtschaftlich genutzt werden kann.
 
Autorin: Angelika Nikionok-Ehrlich