Windbranche kann sich freuen

Nach Auswertung der jüngsten Zahlen des Anlagenregisters erwartet die Fachagentur Windenergie an Land für dieses Jahr ein Plus beim Windkraftausbau bis zu 4 500 Megawatt.
nach Quelle: E&M PowerNews, 8. Dezember 2016

2016 wird ein mehr als gutes Jahr für die heimische Windbranche. Das bestätigt nun auch die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) nach Auswertung des bei der Bundesnetzagentur geführten Anlagenregisters für die ersten drei Quartale. Danach sind in diesem Zeitraum bereits knapp 1 100 Windturbinen mit einer Brutto-Leistung (d.h. inklusive von Repowering-Projekten) von knapp 3 070 MW an Land in Betrieb gegangen. „Die Zahl der Neuanlagen in den ersten drei Quartalen liegt damit fast 60 Prozent über dem Zubau des Vergleichszeitraums 2015“, heißt es in der FA Wind-Analyse. Für das Gesamtjahr prognostizieren die Windenergieexperten einen Zubau zwischen 4 200 und 4 500 MW.

Von einer ähnlichen Größenordnung sind in den vergangenen Wochen auch die beiden Branchenorganisationen, der Bundesverband Windenergie und VDMA Power Systems, ausgegangen. Fakt ist damit bereits vor dem Jahresgang, dass der Windenergieausbau hierzulande zum vierten Mal in Folge über dem politischen gewollten Ziel von 2 500 MW liegen wird.

Interessant sind noch zwei weitere Detailauswertungen aus dem FA Wind-Report: Bis Ende September gab es in Niedersachsen mit 600 MW den größten Zuwachs an Windenergie-Leistung, danach folgen die Bundesländer Schleswig-Holstein (398 MW), Nordrhein-Westfalen (389 MW) und Brandenburg (335 MW). Erstmals in den Top fünf landete Baden-Württemberg mit einer Bruttoleistung von 262 MW. Die Entwicklung im Ländle ist schon erstaunlich: Jahrelang war Baden-Württemberg das Schlusslicht beim Bundesländervergleich, erst in den letzten zwei Jahren der früheren grün-roten Landesregierung änderte sich die Windenergiepolitik und damit der Zubau. Den eigentlichen Erfolg heimst die mittlerweile amtierende grün-schwarze Landesregierung ein, bis Jahresende dürfte in Baden-Württemberg der Windenergieausbau wohl bei rund 300 MW liegen.

Zu den Gewinnern des diesjährigen Windjahres scheint nach der FA Wind-Analyse auch der Windturbinenhersteller Enercon zu zählen. War der Marktanteil des langjährigen Marktführer Richtung 30-Prozent-Marke abgerutscht, so hat sich die ostfriesische Windschmiede mit einem Marktanteil von über 41 % nach den ersten neun Monaten wieder berappelt. Zusammen mit Vestas, Nordex und GE deckte Enercon gleich 92 % des deutschen und damit Europas wichtigsten Windmarkt ab. Großer Verlierer dürfte Senvion werden: Lag der Marktanteil des Hamburger Unternehmens zum Vorjahreszeitraum hierzulande bei immerhin 24 %, so kommt die FA Wind-Auswertung nur auf eine Quote von 5,4 %.

Eine Entwicklung für das kommende Jahr lässt sich aus dem Herbst-Report der FA Wind auch herauslesen: Der Windkraftausbau in Norddeutschland wird kräftig gebremst werden. Um auf die zunehmenden Abschaltungen und die nach wie vor vorhandenen Netzengpässe zu reagieren, hatte die Bundesregierung im Frühsommer mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes den künftigen Windenergiezubau bei den künftigen Ausschreibungen regional begrenzt. Nach einer zwischenzeitlichen Festlegung der Bundesnetzagentur sollen in dem sogenannten Netzausbaugebiet in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Hamburg und den nördlichen Landkreisen Niedersachsens zusammen nur noch maximal 902 MW Windkraftleistung pro Jahr neu ans Netz gehen. In genau diesen Landstrichen lag der Zubau nach den ersten drei Quartalen bei 962 MW – sprich eine Reihe von Windmüllern und Investoren wird in Folge der Ausschreibung künftig bei dem durchaus vorhandenen größeren Ausbaupotenzial wirklich in die Röhre gucken.

Autor: Ralf Köpke

Weitere Informationen:
http://www.fachagentur-windenergie.de/