150 Grad heißes Wasser für Holzkirchen

Das Ergebnis der zweiten Geothermie-Bohrung in Holzkirchen bei München übertrifft alle Erwartungen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 24. März 2017
Nach Abschluss der zweiten Tiefbohrung fließt 150 Grad Celsius heißes Wasser zu 50 Liter pro Sekunde. Das meldet der Bundesverband Geothermie e.V. (BVG). Das Thermalwasser aus Holzkirchen soll über das lokale Fernwärmenetz für die Wärme- und Stromerzeugung genutzt werden. Geplant ist ein Heizkraftwerk mit 3 MW elektrischer und 20 MW thermischer Leistung. Bis zu 80 % des Holzkirchner Wärmebedarfs sollen damit abgedeckt sein. Rund 10 000 Tonnen CO2 oder 25 000 Fässer Erdöl können so jährlich vor Ort eingespart werden, erklärt der BVG.
 
Bereits im Juni 2016 gab es eine erste Bohrung in der Gemeinde. In 5 600 Metern Tiefe stießen die Projektverantwortlichen damals auf 140 Grad Celsius heißes Wasser mit einer Fließrate von 60 Litern pro Sekunde. Das zweite Loch wurde direkt im Anschluss ab Ende Juni 2016 gebohrt, stieß im September 2016 aber auf unerwartete Probleme, da sich der Rohrstrang festgesetzt hatte. Ein im Oktober 2016 gestarteter "Side Track" wurde nun erfolgreich abgeschlossen. Die Bohrungen zeichnen sich mit 15,24 Zentimetern durch einen geringen Durchmesser aus. Das verringerte die Kosten laut BVG um etwa 30 Mio. Euro.
 
Molassebecken um München
 
Von den 33 betriebenen Tiefen Geothermie-Anlagen in Deutschland befinden sich 14 in der Region München. Das dort vorhandene Molassebecken ermöglicht die Erschließung von Tiefenwärme in diesem Gebiet besonders gut. Dieses stellt eine geologische Besonderheit des Alpenvorlands dar. Das Kalkgestein, das sich dort vor etwa 150 Mio. Jahren ablagert hat, führt aufgrund seiner Beschaffenheit besonders viel heißes Thermalwasser.
 
„Die nun abgeschlossenen Fördertests haben gezeigt, dass regenerative und umweltfreundliche Strom- und Wärmegewinnung aus Tiefer Geothermie auch weit im Münchner Süden erfolgreich ist. Das heißt, dass auch die umliegenden Gemeinden jetzt auf Energie aus der Tiefe setzen können“, erklärt Erwin Knapek, Präsident des BVG.
 
Autor: Jonas Rosenberger
 
Weitere Informationen: http://www.geothermie.de/