München geht weiteren Schritt zur Wärmewende

Die Stadtwerke München wollen bis 2040 das Stadtgebiet mit Öko-Wärme versorgen. Ein neues Geothermie-Heizwerk mitten in der Stadt ist ein weiterer Baustein.
nach Quelle: E&M PowerNews, 22. November 2016

Das Gelände neben der Großmarkthalle ist schönes Anschauungsbeispiel für die Energieversorgung der Stadt München − für die die Vergangenheit aber auch für die Zukunft. Seit über 100 Jahren wird dort Energie für die Stadt erzeugt. Angefangen wurde dort im Jahr 1899 mit der Kohleverstromung, dann mit der Verbrennung von Öl nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor der Jahrtausendwende wurden an dem Standort zwei Gaskraftwerken für die Strom- und Wärmeerzeugung gebaut. Die Zukunft soll nun ein Geothermie-Heizwerk sein, das aus bis zu 3 000 m 95 Grad heißes Wasser für die Wärmeversorgung der Bewohner im Innenstadtbereich zur Verfügung stellen soll. Und das bereits im Jahr 2019.

Die Umstellung einer Großstadt auf eine regenerative Wärmeversorgung mittels Fernwärme ist weltweit ziemlich einzigartig, sagte Stephan Schwarz, Geschäftsführer Versorgung und Technik bei den Stadtwerken, bei einem Termin auf dem Kraftwerksgelände. Bis 2040 soll München die erste deutsche Großstadt sein, die ausschließlich mit erneuerbarer Wärme versorgt wird. Das wäre der letzte Baustein zur CO2-freien Versorgung mit erneuerbarer Energie. Bis 2025 wollen die Stadtwerke bilanziell so viel Strom aus eigenen Erneuerbaren-Anlagen  erzeugen, dass damit der Bedarf in der Stadt gedeckt werden kann.

Die Stadtwerke München haben schon erste Erfahrungen mit Geothermie gesammelt – und die waren, wie Schwarz sagte, alle positiv. In zwei neuen Stadtteilen kommt bereits die tiefe Geothermie als Technik zum Einsatz. Wichtig sei in diesem Zusammenhang eine sorgfältig Planung.

So haben die Stadtwerke einen großen Teil des Stadtgebietes mit vier sogenannten Vibro-Fahrzeugen seismisch erfasst, rund 7 000 Messpunkte erstellt. So wurde eine detaillierte dreidimensionale Karte des Untergrund gezeichnet. "Nur so lassen sich Probleme, wie Genehmigungsfähigkeit, Akzeptanz des Umfelds und teure Fehlbohrungen, minimieren." Zwei Jahre haben die Arbeiten dazu gedauert. Die Auswertung der Daten ist bis heute nicht abgeschlossen.

Das Heizkraftwerk an der Großmarkthalle soll zudem noch einen Wärmespeicher mit einer Leistungen von 250 MW erhalten, geplant ist auch ein Fernkältenetz aufzubauen, um die Händler mit Kälte zu versorgen. Zu dem nun anstehenden Heizwärme-Projekt plant das Unternehmen noch mindestens drei weitere geothermische Heizkraftwerk in den kommenden Jahren.

Ein weiterer Punkt ist die Umstellung des Fernwärmenetzes von Dampf auf Heißwasser. Neben den Rohren in den Straßen müssen auch die Hausanschlüsse auf das künftige Heißwassernetz angepasst werden. Hier müssen auch auf andere städteplanerische Aspekte berücksichtigt werden – so plant München eine neue U-Bahnstrecke und eine neue unterirdische S-Bahnstrecke in der Stadt. Als Zeithorizont für die Umstellung des Wärmenetzes sehen die Stadtwerke das Jahr 2030.

Die Kosten für die Umrüstung des gesamten Wärmenetzes in München beziffert Schwarz auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Genauer will er sich nicht festlegen, weil letztlich der Aufwand noch nicht absehbar sei.

Autor: Stefan Sagmeister

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