Wohnungswirtschaft setzt verstärkt auf BHKW

Die verschärfte EnEV und das sie ablösende Gebäudeenergiegesetz machen in der Wohnungswirtschaft Modelle attraktiver, die nicht nur auf Dämmung, sondern auch auf Wärmeversorgung setzen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 07. März 2017
Hanno Balzer hat derzeit viel zu tun. Bei Vattenfall ist der Berliner Manager für dezentrale Energielösungen zuständig. „Die Anfragen aus der Wohnungswirtschaft nach Blockheizkraftwerken haben stark zugenommen“, berichtet Balzer. Den Grund sieht er im entstehenden Gebäudeenergiegesetz (GEG). Eine der zu erwartenden Neuerungen sei, dass regenerative und effiziente Energieerzeugungsarten in den Primärenergiefaktor mit einbezogen werden, so auch Photovoltaik, die bisher nach dem EEWärmeG nicht angerechnet wurde.
 
Ähnlich sieht das auch Iris Behr vom Institut Wohnen und Umwelt GmbH (IWU) in Darmstadt: „Die BHKW haben einen sehr guten Primärenergiefaktor. Wenn diese noch mit einer PV-Anlage kombiniert werden, so wird ein positiver Beitrag zur CO2-Bilanz erreicht. Dieser geht in die Bilanzrechnung ein und kann dazu führen, dass eine höhere Förderung für KfW-Effizienzhäuser erzielt wird.“ Dieser Ansatz sei technologieoffen und würde deswegen von der Wohnungswirtschaft begrüßt.
Die Verbesserung der Gebäudehülle durch Dämmung und Auswechseln der Fenster ist zur Senkung des Wärmeverbrauchs unverzichtbar. Man kann die Energieeffizienz erheblich weiter steigern, wenn man den Restwärmebedarf mit regenerativer oder eben effizient erzeugter Wärme abdeckt. Bei einer BHKW-Lösung ergibt sich sogar noch ein Zusatznutzen durch das dann mögliche Mieterstrommodell.
 
Im Wärmemarkt spielt die Musik
 
Neu ist das Modell keineswegs. BHKW für die Wohnungswirtschaft nutzt der Mülheimer Energiedienstleister „medl“ schon seit 1998 – und zwar über Nahwärmenetze. „Früher hat man über uns gelächelt, heute beliefern wir viele Wohnquartiere auf diese Art mit Wärme und Strom“, sagt Jan Hoffmann, Vertriebsleiter von Medl. Und: Im Wärmemarkt spiele die Musik. Derzeit betreibt das Unternehmen 30 BHKW, die in sechs Wärmenetze einspeisen oder bei Großabnehmern wie Krankenhäusern installiert sind.
 
Das Unternehmen hat es dabei seit vier Jahren geschafft, den Primärenergiefaktor in den Nahwärmenetzen auf Null zu bringen. Grund sei die Umstellung der BHKW auf Biobrennstoffe, so Volker Weißhuhn, Leiter der Abteilung Wärme bei dem Energiedienstleister: „Die Umstellung war aus ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll, weil wir die Technik mit BHKW und Netzen schon hatten.“ Inzwischen habe aber auch der Markt erkannt, dass dies eine sinnvolle Lösung sei. Immerhin existiert in Mülheim kein Anschlusszwang, alle Energieanbieter müssen also marktfähige Preise anbieten. Alle größeren Neubaugebiete in Mülheim fragten derzeit genau nach dieser Lösung bei Medl an.
 
Mit Solarthermie, Abwärme und Power to Heat
 
Doch nicht nur BHKW und PV kommen für die Optimierung des Primärenergiefaktors in Frage. Vattenfall-Mann Balzer kennt noch weitere Möglichkeiten, die er derzeit realisiert. Neben Biomasse seien das auch Solarthermie, ergänzende Wärmepumpen, die Kellerluft als Wärmequellen nutzen, oder dezentrale Power-to-Heat-Anlagen (PtH). „Die beste Wirkung auf den Primärenergiefaktor hat jedoch die Solarthermie“, betont Balzer. Allerdings bedarf es hier noch cleverer Speicher, da die Anlagen mit Temperaturen arbeiten, die sich nicht direkt im Wohnungsbereich einsetzen ließen.
 
PtH ist aus seiner Sicht ebenfalls durch die neuen rechtlichen Grundlagen interessant. Der Strom würde über Netzdienstleistungen mitfinanziert, bei sehr großen Heizstäben könne man Kosten direkt dem Übertragungsnetzbetreiber in Rechnung stellen. Zudem könne im neuen GEG Strom für PtH anders und finanziell vorteilhafter bewertet werden.
 
Eine weitere Möglichkeit für die energetische Versorgung von Wohngebäuden ist auch die oberflächennahe Geothermie. Insbesondere bei Häusern mit Kühlbedarf, etwa bei Altenheimen, ist das laut Balzer eine hervorragende Lösung. Allerdings, gibt er zu bedenken, gelte das nur für Neubauten. Im Bestand sei das nach wie vor wirtschaftlich nicht darstellbar. Hier wünsche er sich mehr regulatorischen Druck von der Politik.
 
Bei Medl beschäftigt man sich zwar auch mit Solarthermie und Power to Heat. „Doch so lange sich das wirtschaftlich nicht für die Mieter lohnt, werden wir es auch nicht installieren“, so Weißhuhn. Bei der Solarthermie rechnet er aber damit, dass sie in drei Jahren für den Mülheimer Versorger und seine Kunden eine Rolle spielen wird. Abhängig sei das aber von den politischen Vorgaben der Bundesregierung.
 
Autor: Frank Urbansky