Erneuerbare überholen Atomkraft

Die zunehmende Stromerzeugung aus Erneuerbaren ist für die Agentur für erneuerbare Energien (AEE) Grund genug, in Europa noch mehr Regeln für einen fairen Wettbewerb anzumahnen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 11. September 2017

Laut Daten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) ist die Stromerzeugung in den europäischen Kernkraftwerken im Jahr 2016 um 2 Prozent auf rund 800 Mrd. kWh gesunken. Demgegenüber nahm die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien europaweit um etwa 2 Prozent auf mehr als 950 Mrd. kWh gestiegen. „Der Trend geht klar in Richtung erneuerbare Energien, auch wenn der Ausbau noch zügiger voranschreiten kann. Damit die Atomkraft europaweit endlich an ihren wahren horrenden Kosten gemessen wird und ins Museum kommt, braucht es faire Regeln in der EU“, erklärt Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für erneuerbare Energien (AEE).

Konkret prangert die Agentur die von der EU-Kommission genehmigten Subventionen für das britische Kernkraftwerksprojekt Hinkley Point C an. Die Baukosten für den neuen Reaktor liegen den Angaben nach bei mehr als 21 Mrd. Euro. Hinkley Point C soll planmäßig 2025 ans Netz gehen und sieben Prozent des britischen Elektrizitätsbedarfs abdecken. Die Betreibergesellschaft EDF setzt dort erstmals die Druckwassertechnologie EPR ein. Von der britischen Regierung erhält das Unternehmen eine Strompreisgarantie für 35 Jahre. Die zugesagte Vergütung soll bei rund 120 Euro/MWh liegen.

Zudem kritisiert die AEE, dass Brüssel auch ihre Unterstützung für den sogenannten Keltischen Interkonnektor gegeben hat. Über ein 600 Kilometer langes Unterseekabel soll der französische Strommarkt mit dem in Irland verbunden werden. „In der EU gilt es sicherzustellen, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht durch Atomstromexporte zu Dumpingpreisen gefährdet wird“, erklärt Boenigk mit Blick auf die Marktmechanismen. "Bei der aktuellen Reform der Erneuerbaren Energien-Richtlinie muss die EU die Gelegenheit ergreifen, mit Ausbauzielen und Marktzugangsregeln einen fairen Wettbewerb für die Erneuerbaren Energien zu gewährleisten.“

Autor: Andreas Kögler