Monitoring-Bericht: Ökostrom-Markt gewachsen

Auf über 400 Seiten haben die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt die Entwicklung der Energiemärkte und den Stand der Energiewende im Jahr 2015 beschrieben.
nach Quelle: E&M PowerNews 30. November 2016

Dabei verzeichnen sie gegenüber 2014 einen Anstieg der Nettostromerzeugung um 11,1 Mrd. kWh von 583,6 Mrd. auf 594,7 Mrd. kWh. Während die Produktion aus konventionellen Energieträgern zurückgegangen sei, habe der Anstieg der regenerativ erzeugten Energie die Stromerzeugung 2015 „geprägt“. In diesem Jahr betrug der Anteil der Erzeugung aus erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch 31,4 % und die Nettostromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien insgesamt 181,1 Mrd. kWh, was einem Zuwachs von 26 Mrd. kWh gegenüber dem vorhergehenden Betrachtungszeitraum entspricht. Die Windenergie hat daran mit einer Menge von 79,1 Mrd. kWh den größten Anteil.

Auch im Vertrieb gewinnen die erneuerbaren Energien weiter an Bedeutung. So weist der Monitoring-Bericht für die Belieferung von Haushaltskunden eine Ökostrom-Menge von 24 Mrd. kWh aus. Im Jahr 2014 hatte die gesamte Ökostromabgabe in diesem Segment noch 21,5 Mrd. kWh betragen. Insgesamt bezogen rund 8,6 Mio. Haushalte im vergangenen Jahr einen grünen Stromtarif. Dies entspricht einem Zuwachs von etwa 10,6 % gegenüber 2014.

Für Gero Lücking ist dies ein erfreulicher Trend. „Wir sehen im Ökostrommarkt auch in Zukunft gute Wachstumschancen. Allerdings fällt es vielen Verbrauchern schwer, zwischen Mogeltarifen und wirklich nachhaltigen Angeboten zu unterscheiden“, sagt der Geschäftsführer Energiewirtschaft beim Ökostrom-Anbieter Lichtblick. Seiner Ansicht nach fördern Verbraucher, die Grünstrom bei einem Atom- oder Kohlestromanbieter kaufen, weiterhin die „alte Energiewelt“. Sein Kommentar dazu: „Vegetarier kaufen nicht beim Metzger.“

Laut Monitoring-Bericht haben 2015 etwa 4 Mio. Haushalte ihren Energieversorger gewechselt. „Das sind rund 231 000 mehr als im Jahr davor“, erklärte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, anlässlich der Vorstellung des Papiers. Bei den Gewerbe- und Industriekunden betrug die Wechselquote 12,6 %, ein Plus von 1,6 Prozentpunkten gegenüber 2014, und habe damit den höchsten Wert seit Beginn des Monitorings im Jahr 2006 erreicht.

Auch die Situation in den Stromnetzen ist Gegenstand der Betrachtung. Die Redispatchgesamtmenge habe sich gegenüber dem Jahr 2014 mehr als verdreifacht und habe im Jahr 2015 rund 16 Mrd. kWh betragen, heißt es im Bericht. Für die damit einhergehenden Kosten hätten die Übertragungsnetzbetreiber einen Betrag von rund 412 Mio. Euro angegeben. Beim Einspeisemanagement, also der Abregelung von Erneuerbare-Energie-Anlagen, sei die Ausfallarbeit von 1,6 Mrd. kWh im Jahr 2014 auf 4,7 Mrd. kWh im darauffolgenden Jahr angestiegen. Die daraus resultierenden Entschädigungsansprüche geben die Autoren mit 478 Mio. Euro an.

Auch zum Gasmarkt machen Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt detaillierte Angaben. So habe 2015 beispielsweise die durchschnittliche Unterbrechungsdauer der angeschlossenen Letztverbraucher bei 1,7 Minuten gelegen. Dies entspreche einer Versorgungssicherheit von 99,999 %.

Auch beim Gas sei die Zahl der Lieferantenwechsel weiter gestiegen. Mehr als 1,1 Mio. Haushaltskunden hätten im vergangenen Jahr einen anderen Anbieter gewählt. Dies entspreche einer Wechselquote von etwa 10 %. Gleichzeitig setze sich der Trend zu sinkenden Letztverbraucherpreisen fort.

Gegenüber den vorangegangenen Monitoring-Berichten sei in diesem Jahr die Marktabdeckung und die Validität der erhobenen Daten nochmals gestiegen, betonen Homann und der Präsident des Bundeskartellamts Andreas Mundt. In vielen Bereichen liege der Abdeckungsgrad der Abfragen nahe bei 100 %. Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt sind nach Vorschriften des Energiewirtschaftsgesetzes und des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen dazu verpflichtet, jährlich einen Monitoring-Bericht zu erstellen.

Autor: Fritz Wilhelm

> Zum Monitoring Bericht, Bundesnetzagentur:
(PDF, 7,3 MB)