Energie im Schaufenster

Die Schwarz Gruppe will in ihren Lidl- und Kaufland-Filialen das Bewusstsein für Energieverbräuche schärfen.
nach Quelle: E&M powernews, 08.02.2018

In der „Kaufland“-Filiale am Berliner Alexanderplatz und der „Lidl“-Filiale in der Hauptstraße in Berlin-Tempelhof ist für die Kunden das Thema Energie sichtbar gemacht worden. „Wir arbeiten dort mit 3D-Modellen, um zu zeigen, wie Energie in unseren Filialen eigentlich fließt, wofür sie gebraucht wird“, erklärt Thomas Tappertzhofen. Er ist Geschäftsführer der „GreenCycle GmbH“, eines internen Dienstleistungsunternehmen der Schwarz Gruppe.

Green Cycle kümmert sich im Rahmen des Projektes Windnode darum, dass in den Filialunternehmen der Unternehmensgruppe erneuerbare Energien optimal genutzt werden und das Stromnetz stabilisiert werden kann. „Dabei aber“, das ist Tappertzhofen wichtig, „nichts an der Qualität und der Frische der verkauften Produkte verändert wird.“ Aus der fühl- oder riechbaren Energie, die von den Kunden kaum wahrgenommen wird, soll sichtbare werden.


Erneuerbare Energien optimal nutzen

Die größten Energie-Verbraucher in den Filialen sind Kühlregale, Backstationen für frische Brötchen und anderes Gebäck, Klimaanlagen und die Beleuchtung. LED-Lampen sind dafür heute fast schon selbstverständlich, Energiesparmaßnahmen hier und dort ebenfalls.
Für Tappertzhofen geht es nun um den nächsten Schritt: Die genaue Analyse der Einzelverbräuche aller Aggregate; daraus Schlüsse ziehen für die energetische Optimierung; und schließlich die Überlegung, wie sich Verbräuche zeitlich verschieben lassen. Wie kann man davon profitieren, dass man überschüssigen und somit billigen Strom aus Solar- und Windkraftwerken gerade dann nutzt, wenn er ins Netz drückt anstatt wenn er teure Mangelware ist?

„Und genau das wollen wir im Rahmen des Projektes untersuchen“, erläutert Tappertzhofen, und deshalb sei die Schwarz Gruppe als einziger Einzelhändler Projektpartner bei Windnode geworden mit dem positiven Nebeneffekt, ganz nahe am Endverbraucher zu sein. „Dafür sind wir prädestiniert, denn in unseren Schaufenstern können wir die Vision von Windnode sichtbar machen“, ist der Green-Cycle-Chef überzeugt. Die Kunden können sich die Energieflüsse anzeigen lassen, „das ist wirklich was zum Anfassen“, schwärmt Tappertzhofen. Im Comic-Stil gibt es Erklärvideos , verspricht der Energie-Experte. So viel zum Schaufenster. In den Filialen selbst werden die Themen dann vertieft: An wichtigen Energieverbrauchern sind Monitore angebracht, auf denen spezifische Punkte erklärt werden.

Aber es geht nicht nur um die Filialen von Lidl und Kaufland im Nordosten der Republik, energetisch durchforstet werden auch die firmeneigenen Produktionsbetriebe, die Logistikzentren und die Verwaltungsgebäude. Tappertzhofen: „Alle Einrichtungen der Schwarz Gruppe in dieser Region werden daraufhin untersucht, welchen Beitrag sie leisten können, um bei der zunehmend schwankenden Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom einen Beitrag zur Netzstabilität zu leisten.“


Regulatorische Hemmnisse abbauen

Das ist Sisyphos-Arbeit. Kühlanlagen und Kühlhäuser, Backstationen und Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Lüftungsanlagen stehen dabei im Mittelpunkt. Sie müssen in Zusammenhang gebracht werden mit Parametern wie Tageszeiten und Tagestypen, mit Jahreszeiten und Wetterprognosen.
„Ein wirklich sehr komplexes Thema“, sagt Tappertzhofen, bei dem schlussendlich „Ökologie und Ökonomie in Einklang gebracht werden müssen.“ Eine Idee, wie viel Megawatt Leistung sich verschieben lässt und wann sich investiertes Geld amortisieren wird, hat der Energie-Manager noch nicht: „Es wäre höchst unseriös, darauf jetzt schon eine Antwort zu geben.“

Man sei noch sehr in der Theorie, erklärt er, vieles müsse noch getestet werden.
Ein Beispiel: Wie weit kann man in die Kühlkette eingreifen und dabei gewährleisten, dass die Kunden unverändert beste Qualität bekommen? Ein anderes: Wie lassen sich Tausende ganz unterschiedlicher Energieverbraucher zentral steuern, wer hat das Zepter dafür in Zukunft in der Hand?

Eine wichtige Frage zur Wirtschaftlichkeit der zu ergreifenden organisatorischen und technischen Maßnahmen: Welchen Preis haben flexible Lasten im zukünftigen Energiemarkt? Da kommt die Politik ins Spiel: Was erwartet der Green-Cycle-Geschäftsführer von einer neuen Regierung? Tappertzhofen: „Es müssen regulatorische Hürden abgebaut werden. Ich fordere keineswegs mehr Politik mit sich immer mehr verkomplizierenden Maßnahmen, wir benötigen klare und schlanke Rahmenbedingungen für einen sich verändernden Markt.“
Die Schwarz Gruppe gibt sich einen grünen Anstrich und zieht dadurch mehr Kunden in ihre Läden?

Tappertzhofen: „Es mag sein, dass das die Kaufentscheidung von Kunden positiv beeinflusst. Für uns steht aber im Vordergrund, einen aktiven Beitrag zur Energiewende zu leisten und das dann auch in unseren Schaufenstern zu präsentieren.“

Autor: Helmut Sendner