Erster Schritt im Milliarden-Projekt

Ein neugegründetes Unternehmen soll die Großserienproduktion von Batteriezellen in Deutschland etablieren und damit die Unabhängigkeit gegenüber asiatischen Herstellern sichern.
nach Quelle: E&M PowerNews, 23. Mai 201
Bis 2028 sollen von der Terra E Holding GmbH die Voraussetzungen geschaffen werden, um pro Jahr Batteriezellen mit einer Speicherkapazität von insgesamt 34 Mio. kWh fertigen zu können. Nach Angaben des Unternehmens, das seinen Sitz in Frankfurt am Main hat, wird sich das Geschäftsmodell an den Strukturen in der Halbleiterindustrie orientieren. Dort sind häufig Entwicklung und Vermarktung unter einem Dach zusammengefasst, während die eigentliche Produktion von speziellen Fertigungsbetrieben übernommen wird.
 
Partner aus der Industrie und Finanzinvestoren sollen die Umsetzung des Projekts sicherstellen. Dazu würden auch Gespräche mit Interessenten aus dem europäischen Ausland geführt, heißt es in einer Mitteilung von Terra E.
 
Zu den Gründungsgesellschaftern gehört Ulrich Ehmes. Wie der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Batterieherstellers Leclanche auf Anfrage von E&M erklärte, werde die Produktion verschiedene Zellformate umfassen. Zielgruppen sind sowohl Kunden aus dem E-Mobilitätssektor als auch aus der Industrie. „Die Produkte der industriellen Kunden können sowohl Akkus für Power-Tools, für Gabelstapler oder auch Module für die Energiespeicherung sein. Letztendlich entscheidet unser Kunde, wie und wo er die Zellen einsetzen will“, so Ehmes.
 
Zum Kreis der Gründungsgesellschafter gehören neben dem ehemaligen Leclanche-Chef auch der Batteriemodulhersteller BMZ sowie Holger Gritzka, der bislang die Batteriespeicheraktivitäten bei Thyssenkrupp Engineering geleitet hat. Dieser ist auch Geschäftsführer der neuen Gesellschaft und Vorstand des Kompetenznetzwerks Lithium-Ionen-Batterien. Aus dem branchenübergreifenden Zusammenschluss von 48 Unternehmen heraus wurde als „Keimzelle“ die DZP – Deutsche Zell-Produktion gegründet. Es handelt sich dabei um eine Initiative der Manz AG, M+M GmbH, Thyssenkrupp AG, BMZ Group, Litarion GmbH und Street Scooter GmbH. Deren Ziel war es, aus ihren Reihen ein Team zur Planung einer Großserienfertigung zu bilden.
 
Bundesforschungsministerin Johanna Wanka zeigte sich über die Gründung von Terra E erfreut. Daran werde deutlich, was nachhaltige Innovationspolitik bewirken könne. Durch gezielte Forschung und Kooperation mit der Wirtschaft sei die Grundlage für die Firmengründung geschaffen worden. „Wir werden die exzellente Batterieforschung in Deutschland weiter unterstützen und damit Impulse für den Ausbau der industriellen Produktion geben“, versprach die CDU-Politikerin. Seit 2008 hat die Bundesregierung nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die Batterieforschung in Deutschland mit rund 400 Mio. Euro gefördert.
 
Terra E kann auf Erkenntnisse des Forschungsprojekts „Giga‐LIB“ zurückgreifen, das vom Bund zwischen 2015 und 2017 mit insgesamt 5,2 Mio. Euro unterstützt wurde. Es ging dabei um die Entwicklung eines Fertigungskonzepts für Batteriezellen. „Dadurch wurde die Grundlage für eine der Konkurrenz überlegene Massenproduktion von Batteriezellen geschaffen, die jetzt von der Firma Terra E genutzt wird“, heißt es in einer Mitteilung des BMBF. Derzeit prüft das Ministerium, ob auch die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bei Terra E im Rahmen eines Nachfolgeprojekts weiter unterstützt werden können. Zur Erprobung einer Batteriezellproduktion im industrietauglichen Maßstab fördert das BMBF am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Ulm eine Forschungsproduktionsanlage.
 
Marktbeobachter gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren der Bedarf an Batteriezellen enorm ansteigen wird. Einige prognostizieren sogar eine Verzehnfachung des Bedarfs in den nächsten zehn Jahren. Ein Aufschwung der Elektromobilität, Absatzsteigerungen bei stationären Speichern und wachsende Zahlen von Endgeräten werden zusätzliche Produktionskapazitäten für Batteriezellen erfordern.
 
Um für dieses Szenario gewappnet zu sein und nicht in eine nachteilige Abhängigkeit von asiatischen Herstellern zu geraten, hat die Nationale Plattform Elektromobilität (NEP) in ihrer Roadmap „Zell- und Batterieproduktion in Deutschland“ empfohlen, im Jahr 2021 mit einer Zellproduktion hierzulande zu beginnen und sie bis 2025 auf eine Kapazität von 13 Mio. kWh pro Jahr hochzufahren. Die dafür notwendigen Investitionen beziffert die Lobbyvereinigung auf rund 3 Mrd. Euro. Den Markt für Batteriezellen dominieren derzeit einige wenige Hersteller aus Fernost, darunter LG Chem und Samsung, die mittlerweile ihre Produktion auch nach Europa ausdehnen.
 
Autor: Fritz Wilhelm