Gasbranche macht sich über Kohleausstieg Gedanken

Eine Studie im Auftrag von Shell hat untersucht, wie es in Deutschland um die Umrüstbarkeit von kohlebefeuerten Kraftwerken auf Erdgas bestellt ist
nach Quelle E&M PowerNews, 26.05.2017
Die Verfasser der DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH, eine Tochtergesellschaft des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), die die Studie für die Shell International Exploration and Production B.V. erstellt haben, kommen zu dem Ergebnis: Im Prinzip ist ein Umstellung möglich. Sie lasse sich allerdings nicht bei allen Anlagen bewerkstelligen. Die entsprechenden Kosten und Wirkungsgrade seien sehr stark beispielsweise von der Kesselform und -beschaffenheit, dem Anlagenalter oder der Wärmeauskopplung abhängig. Zwar seien große Braunkohleblöcke für einen Brennstoffwechsel nicht geeignet, kommunale Heizkraftwerke und Erzeugungsanlagen in der Industrie jedoch durchaus.
 
Laut der Studie würde ein vollständiger Wechsel von Stein- und Braunkohle auf Erdgas als Brennstoff in Großkraftwerken zu einer Reduktion der CO2-Emissionen von mindestens 40 % führen.
 
Ohne eine grundlegende Änderung der Rahmenbedingungen halten die Autoren der Studie eine Umstellung jedoch für kaum realistisch. Einen wirtschaftlichen Anreiz zum Brennstoffwechsel sehen sie erst bei einem Preis der Emissionsrechte von 70 Euro pro Tonne CO2. Erst bei diesem Niveau könne der in einer GuD-Anlage erzeugte Strom an die günstigen Gestehungskosten der Braunkohleverstromung heranreichen. Und Konkurrenz zur Steinkohle wäre erst bei 30 Euro pro Tonne gegeben.
 
Sofern es der Markt nicht richten könne, sei eben ein politisch vorangetriebener Ausstieg aus der Kohle erforderlich, um in den Genuss der positiven Effekte einer Brennstoffumstellung zu kommen. Die meisten Steinkohleanlagen könnten dann umgerüstet oder stillgelegt werden. Bei den Braunkohlekraftwerken sei ein Abschalten der Anlagen entlang ihrer Amortisationszeiten denkbar. Ein solches Szenario könnte dann 2042 mit der Stilllegung der Blöcke des Kraftwerks Neurath abgeschlossen sein.
 
Die Autoren betonen in ihrer Einleitung, dass sie Handlungsempfehlungen geben, wie ein klimaschonender Wechsel von statten gehen könnte, dabei aber gleichzeitig im Auge haben, wie dieser Prozess ablaufen könnte, ohne in großem Maß Arbeitsplätze zu gefährden.
 
Autor: Fritz Wilhelm