Vorschläge der Dena-Taskforce zur Netzentgeltsystematik

Ergänzungen und Änderungen derzeitiger Regelungen sollen Bedürfnisse der Netznutzer und der Netzbetreiber berücksichtigen.
nach Quelle: E&M powernews, 02.02.2018

Insgesamt zwölf Maßnahmen umfasst der Vorschlag, den die Taskforce, die von der Deutschen Energie-Agentur (Dena) im Frühjahr 2017 initiiert wurde, in einem 106-seitigen Ergebnispapier zusammengefasst hat. Das Gremium, dem sowohl energieintensive Industrieunternehmen als auch Netzbetreiber und Verbände angehören, hatte sich zum Ziel gesetzt, einen Vorschlag für Netzentgelte zu erarbeiten, die ein flexibles und netzdienliches Verbrauchsverhalten ermöglichen, um den Anforderungen der Energiewende gerecht zu werden. Dabei sollen die ökonomischen Bedürfnisse der Netznutzer und die physikalischen Notwendigkeiten des Netzbetriebs in Einklang gebracht werden.

Die Maßnahmen, die sich auf Änderungen und Ergänzungen der Stromnetzentgeltverordnung beziehen, ließen sich „relativ kurzfristig umsetzen“, wie es in einer Mitteilung der Dena heißt. Erstmals lägen nun Vorschläge vor, die gemeinsam von der Industrie und den Netzbetreibern gemeinsam getragen werden, erklärte Andreas Kuhlmann. "Die Netzentgelte werden in der weiteren Diskussion um die Finanzierung des Energiesystems eine zentrale Rolle spielen. Bisher beschränkt sich diese zu sehr auf die EEG-Umlage", so der Vorsitzende der Dena-Geschäftsführung.

Die weitere Diskussion werde nicht einfach, so Kuhlmann, da es noch viele weitere Stakeholder gebe. Die Vorschläge der Taskforce seien aber ein wichtiger Beitrag zu einer Debatte, die in dieser Legislaturperiode geführt werden müsse.
Netzdienliches Verbrauchsverhalten dürfe keine höheren Netzentgelte nach sich ziehen. Netznutzer, die Regelleistung zur Verfügung stellen und dafür eine höhere Strommenge aufnehmen, liefen jedoch Gefahr, eine abrechnungsrelevante Lastspitze zu verursachen. Für diese sei nach den geltenden Regelungen ein erhöhtes Netzentgelt fällig. Es bestehe als das Risiko, dass die Zusatzkosten das Entgelt für die Regelenergie übersteigen. Deshalb würden Flexibilitätspotenziale der Industrie nicht genutzt.

Nach Ansicht der Taskforce-Mitglieder müssten die Netzbetreiber beispielsweise auch lokale „Erneuerbare-Energien-Zeitfenster“ festlegen können, in denen Netznutzer mehr Energie verbrauchen könnten, um die Abregelung von Windkraftanlagen zu vermeiden. Ein solches netzdienliches Verhalten dürfe nicht zu höheren Netzentgelten führen.

Darüber hinaus werden im Ergebnispapier auch Themen diskutiert wie die Berücksichtigung der Netzanschlusskapazität in den Netzentgelten oder Flexibilisierungsmöglichkeiten bei diskontinuierlichen Verbrauchern, etwa Elektrostahlöfen oder Zementmühlen. Diese werden aus regulatorischen Gründen derzeit noch nicht für netzdienliche Zwecke genutzt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Betrachtung ist die industriepolitische Steuerungswirkung der Netzentgelte, vor allem deren Einfluss auf die Standortentscheidung von Industrieunternehmen.

Die Dena will die Lösungsansätze der Taskforce als Impuls für die energiepolitische Diskussion verstanden wissen. Pragmatische Schritte zur Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik würden aufgezeigt. Derzeit wird im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums ein Grundlagengutachten zur Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik erstellt, das die Positionen aller Verbrauchergruppen berücksichtigen soll. Die Ergebnisse des vorliegenden Taskforce-Papiers seien ein Diskussionsbeitrag dazu aus der industriellen Praxis.

Teilnehmer der Taskforce Netzentgelte waren folgende Unternehmen und Verbände: Amprion, BASF, Bayernwerk, Bundesverband Glasindustrie, Currenta, Evonik Industries, Georgsmarienhütte Holding, Hydro Aluminium Rolled Products, Max Aicher GmbH & Co. KG, Salzgitter AG, Stromnetz Hamburg, Tennet, Thüga, Trimet Aluminium, UPM, Verallia Deutschland, Verband der Chemischen Industrie (VCI), VIK Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft, Wirtschaftsvereinigung Metalle.

Autor: Fritz Wilhelm

Weitere Informationen:
https://www.dena.de/themen-projekte/projekte/energiesysteme/taskforce-netzentgelte/