Energieeffizienz in der Industrie steigern, aber ohne Zwang

Inwieweit sollte es Vorgaben zur Energieeffizienz auf nationaler und EU-Ebene geben? Diese Frage wurde auf dem Energieeffizienzgipfel des BDI diskutiert.
nach Quelle: E&M PowerNews, 28. Juni 2017


Bildquelle: Fotolia©XtravaganT

Der Schattenberichterstatter für die EU-Energieeffizienzrichtlinie Markus Pieper (EVP) hält verbindliche, von der EU vorgegebene Energieeinsparziele für unnötig und wenig sinnvoll. Für ihn gibt es keinen Zweifel: „Wir brauchen ein verbindliches CO2-Einsparziel in der EU, den Rest würden dann die Mitgliedsstaaten über gesetzliche und andere Regelungen schon selbst hinkriegen“, sagte er bei der BDI-Veranstaltung „Regulierung oder Markt – Was ist der Königsweg für die Energieeffizienz?“ in Berlin.
 
 Ganz anderer Meinung ist der für Energieeffizienz zuständige Abteilungsleiter im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) Thorsten Herdan. „Nur CO2 als Kern-Indikator zu nehmen, kann eine gewaltige Falle sein“, warnt er. Es sei „widersinnig“ zu glauben, wenn man nur ein CO2-Reduktionsziel habe, dass dann die Energieeffizienz quasi automatisch stattfinde. In der EU habe Deutschland angesichts des massiven Versuchs insbesondere von Großbritannien, die Ambitionen bei der Steigerung der Energieeffizienz herunter zu bekommen, zusammen mit Frankreich, Italien und Spanien das 30-%-Ziel bis 2030 durchgesetzt, berichtete Herdan.
 
Erneuerbare Energie anzurechnen, ist "Schwachsinn"
 
„76 Prozent der zusätzlich notwendigen CO2-Reduzierung in der EU entfallen auf Energieeffizienz-Maßnahmen“, verdeutlicht der Wissenschaftler Alexander Sauer von der Uni Stuttgart die Bedeutung des Themas. Und er betont: „Auch ein 40 Prozent-Ziel verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Unternehmen nicht.“ Denn es würden massive Kosteneinsparungen erzielt.
 
Die Anrechenbarkeit von erneuerbarer Energie bei der Erfüllung von Energieeffizienz-Zielen, wie sie jetzt im EU-Umweltministerrat vereinbart wurde, findet Herdan „Schwachsinn, weil Erneuerbare und Energieeffizienz gegeneinander ausgespielt werden. Damit kommen wir nicht zu Potte.“ Um die Effizienzpotenziale in der Industrie zu heben, möchte der BMWi-Abteilungsleiter die Kooperation mit ihr verbessern. „Wir wollen eine Effizienzstrategie auf Basis des NAPE (Nationaler Energieeffizienzplan, d. Red.) erarbeiten“, so Herdan. Man arbeite zudem daran auszuformulieren, wie Energieeffizienz bei Ausschreibungen, etwa für die KWK, adressiert werden könne.
 
Industrie soll Vorschläge für Effizienzförderung machen
 
Herdan wünscht sich von der Industrie auch Vorschläge für die geplante Förderung der Abwärmenutzung. „Die Förderung darf nicht dazu führen, dass möglichst viel Abwärme erzeugt wird“, stellt er klar. Es gehe vielmehr darum, möglichst viel Abwärme zu vermeiden und den Rest sinnvoll zu nutzen. Der BMWi-Abteilungsleiter möchte auch die Reform des Umlagesystems, die die Sektorkopplung befördern soll, gemeinsam mit der Wirtschaft diskutieren:
 
„Wir brauchen Vorschläge aus der Wirtschaft, wie wir das sinnvoll ändern können.“ Wenn man Umlagen auf alle Energieträger verteile, könne man dies „effizient oder ineffizient“ machen, so Herdan. Er betont, bei dieser Reform dürfe die Energieeffizienz „nicht hinten runter fallen“. Zum Schluss gibt er der Industrie eine Art Versprechen: „Wir wollen nicht mehr Regulierung einführen, als das, was wir haben.“ Und: „Es wird mit mir keine Regulierung geben, die Sie zu bestimmten Dingen zwingt.“
 
Autorin: Angelika Nikionok-Ehrlich