Mehr Energieeffizienz für mehr Digitalisierung

Auf eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen gibt die Bundesregierung Einblick in ihre Maßnahmen zur Förderung der Energieeffizienz in Rechenzentren.
nach Quelle: E&M PowerNews, 25. August 2017
 Die Bundesregierung geht davon aus, dass aufgrund des technologischen Fortschritts und der Entwicklung europäischer Standards der durch Informations- und Kommunikationstechnologien bedingte Stromverbrauch in Deutschland bis 2020 weiter sinken wird. Dabei beruft sie sich auf eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IMZ) von 2015. Die Wissenschaftler haben zwischen 2010 und 2015 einen Rückgang um 15 % festgestellt von jährlich rund 56 Mrd. kWh auf 48 Mrd. kWh. Bis 2025 werde sich der Rückgang auf 45 Mrd. kWh fortsetzen. Danach könnte der Verbrauch allerdings wieder zunehmen und 46 Mrd. kWh erreichen.
Der Strombedarf von Rechenzentren und Telekommunikation für sich genommen wird nach Einschätzung der Autoren trotz der Ausschöpfung erheblicher Effizienzpotenziale weiter zunehmen, von 18 Mrd. kWh im Jahr 2015 auf 25 Mrd. kWh im Jahr 2025. Der fortschreitende Ausbau von Breitband-Technologien sowie die intensivere Internetnutzung seien dafür verantwortlich.
In ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen verweisen die Autoren des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) auf das Grünbuch Energieeffizienz, in dem solche sogenannten Rebound-Effekte als eine der wesentlichen Herausforderungen gesehen werden. Im internationalen Vergleich bescheinigt die Bundesregierung den Rechenzentren in Deutschland bei der Energieeffizienz jedoch eine Spitzenposition. Ihr aktueller jährlicher Gesamtenergiebedarf liege einer Untersuchung des Forschungsinstituts Borderstep zufolge bei 12,4 Mrd. kWh.
Zum CO2-Fußabdruck der Internetnutzung in Deutschland liegen der Bundesregierung nach Angaben des BMWi keine Erkenntnisse vor. Auf die Frage von Bündnis 90/Die Grünen nach Maßnahmen über das Forschungsprogramm „IT2Green“ hinaus, um den Energieverbrauch von Rechenzentren weiter zu verringern, verweist das BMWi auf die 2016 gestarteten „Wettbewerblichen Ausschreibungen für Stromeffizienz: Stromeffizienzpotenziale nutzen – Step up“. Mit diesem Programm fördere die Bundesregierung technologie- und sektor-offen Maßnahmen zur Verbesserung der Stromeffizienz in Unternehmen. In der dritten Ausschreibungsrunde von März bis Mai 2017 habe es allerdings eine „geschlossene“ Ausschreibung gegeben, um gezielt Effizienzmaßnahmen in Rechenzentren anzureizen. Allerdings könnten auch in der „offenen“ Ausschreibung jederzeit Effizienzmaßnahmen für Rechenzentren eingereicht werden.
Im weiteren Verlauf ihrer Antwort teilen die Autoren unter anderem mit, dass sich die IT-Beauftragten der verschiedenen Einrichtungen der Bundesverwaltung im Juni dieses Jahres für eine Fortsetzung der sogenannten Green-IT-Initiative ausgesprochen haben und dass mit dem branchen- und technologieoffenen Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand auch Projekte zur energieeffizienten Programmierung gefördert werden können. Zudem widme sich ein Forschungsprogramm des BMWi dem ganzheitlichen Energiemanagement in professionellen Rechenzentren. Und neben anderen Projekten werde das Ministerium auch ein Forschungsvorhaben des Umweltbundesamts begleiten, bei dem ein Kennzahlensystem zur energetischen, ökologischen und ökonomischen Bewertung von Rechenzentren weiterentwickelt und in der Praxis erprobt werden soll.
 
 
Autor: Fritz Wilhelm