Wärme aus Strom ist eine teure Option

Die Energiewende im Gebäudesektor könnte mit bewährter Anlagentechnologie und erneuerbaren Energieträgern kostengünstiger zu erreichen sein als durch Elektrifizierung.
nach Quelle: E&M PowerNews, 18. Oktober 2017
Die Anpassung der Wohn- und Nichtwohngebäude in Deutschland an die Anforderungen des Klimaschutzes lässt sich am kostengünstigsten umsetzen, wenn für die Wärmeversorgung verfügbare Effizienztechnologien mit erneuerbaren Energieträgern zum Einsatz kommen. Eine forcierte Elektrifizierung der Wärmeversorgung würde dagegen zu höheren Kosten führen. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Gebäudestudie der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (GEEA), der Deutschen Energie-Agentur (Dena) und weiterer Branchenverbände.
Die Studie zeigt, dass Deutschland bei einer Fortschreibung der heutigen Entwicklung seine Klimaschutzziele klar verfehlen würde. Der Gebäudesektor käme bis 2050 nur auf eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 67 Prozent gegenüber 1990.
Die klimaschutzpolitischen Ziele der Bundesregierung, also die Minderung der CO2-Emissionen um 80 bis 95 Prozent, sind auf zwei in der Studie dargelegten Wegen zu erreichen. Tragende Elemente der zukünftigen Wärmeversorgung sind in beiden Szenarien erneuerbare Energien sowie die energetische Verbesserung der Gebäudehülle und der Anlagentechnik. Notwendig wäre laut der Untersuchung eine Steigerung der jährlichen Sanierungsrate von derzeit unter einem auf mindestens 1,4 Prozent.
Der als technologieoffen bezeichnete Weg über die Nutzung aller verfügbaren anlagentechnischen Möglichkeiten, also beispielsweise auch Brennwertkesseln und KWK-Anlagen, mit erneuerbaren Energieträgern würde laut der Studie zu zwölf bis 14 Prozent Mehrkosten gegenüber der Fortschreibung der bisherigen Entwicklung führen. Die Festlegung auf Elektrifizierung, bei der hauptsächlich elektrische Wärmepumpen zum Einsatz kämen, verursacht dagegen gut 20 Prozent Mehrkosten.
Klimaschutzziele für Gebäude sind erreichbar
Beide Wege bedingen unterschiedliche Auswirkungen. Die Elektrifizierung verursacht mehr Investitionen in die Gebäudehülle, der technologieoffene Weg höhere Kosten für die Beschaffung von Brennstoffen, die laut Studie überwiegend synthetisch erzeugt und in großem Umfang importiert werden müssen.
Deutliche Unterschiede weisen die beiden Szenarien auch bei der Entwicklung des Gebäudeenergieverbrauchs auf. Die höhere Sanierungsrate, die die Elektrifizierung mit sich bringt, führt zu einer Senkung des Wärmeverbrauchs um gut 60 Prozent bis 2050 im Vergleich zu 2015. Im Technologiemixszenario liegt der Wert bei circa 47 Prozent, weil weniger saniert wird. Auf dem technologieoffenen Pfad steigt der Strombedarf zudem weniger stark an.
Die Studie mache deutlich, dass die Festlegung auf Elektrifizierung „eine schlechte Idee“ sei, erklärte die Gaswirtschaftsinitiative Zukunft Erdgas in einer ersten Stellungnahme. Stattdessen sollte ein Energie- und Technologiemix zum Tragen kommen, in dem sich die beste Lösung durchsetzt. Dann könne auch Erdgas eine starke Rolle spielen. „Gasbasierte Technologien werden marktführend bleiben, weil sie innovativ sind, die Erneuerbaren immer effizienter einbinden und weil Gas selbst weitestgehend erneuerbar wird“, glaubt Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Erdgas.
Kritik an der Studie kommt dagegen von der Deutschen Umwelthilfe. „Unter dem Deckmäntelchen der Technologieneutralität sollen bestehende Strukturen zementiert und fossile Technologien möglichst lange im Markt gehalten werden. Der Klimaschutz kommt dabei eindeutig zu kurz“, so die Organisation. Die Annahmen zum Einsatz von synthetischem Gas und Öl für die Wärmeversorgung von Gebäuden seien nicht transparent, die Berechnungen in der Studie nicht nachvollziehbar.
 
Autor: Peter Focht