Kommunen verpassen Digitalisierung

Die Digitalisierung ist einer der wichtigsten Megatrends, der Kommunen vor neue Herausforderungen stellt.
nach Quelle: E&M PoweNews, 17. Januar 2017

De facto sind die deutschen Amtsstuben aber schlecht auf das Thema vorbereitet.

Eine aktuelle VDI-Umfrage zeigt, dass viele deutsche Kommunen nicht auf die Digitalisierung vorbereitet sind. Die Kommunalbefragung, an der sich rund 10 % der 11 084 Gemeinden in Deutschland beteiligt haben, zeigt, dass sich ein Fünftel der Kommunen beim Thema Digitalisierung schlecht aufgestellt sieht, rund 42 % der Gemeinden sind nach eigener Einschätzung nur teilweise auf die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen vorbereitet. Eine Einschätzung, die auch die Autoren der Kommunalbefragung bestätigen können. Für rund ein Viertel der deutschen Gemeinden war im Vorfeld der Online-Befragung keine allgemeingültige E-Mailadresse zu ermitteln.

Vor allem finanzielle und technische Hürden machen die Befragten dafür verantwortlich. So fehlen aufgrund der ländlichen Struktur und der flächenhaften Zersplitterung der Gemeinden oftmals Breitbandanschlüsse in den Kommunen. Dabei hätten es die Gemeinden oft selbst in der Hand, tatsächlich verfügt aber nur ein Fünftel der Kommunen über entsprechende Breitbandausbaukonzepte. Kommunale Konzepte für Klimaschutz, Verkehr und Stadtentwicklung sind weit verbreitet, das Thema Digitalisierung sehen aber viele Gemeinden nur als freiwillige Aufgabe. Deshalb fordern einige Kommunen auch Bund und Länder auf, ihrer Pflicht zum Aufbau einer übergeordneten Digitalinfrastruktur nachzukommen. Angesichts der finanziellen Beteiligung am Ausbau seien viele Kommunen überfordert und klagen über mangelnde Förderung oder zu komplizierte Förderrichtlinien. Zudem spiele die mangelnde Anzahl kompetenter Mitarbeiter, der Mangel an Fachkräften und die Altersstruktur der Mitarbeiter und die damit verbundene geringe Computeraffinität in der öffentlichen Verwaltung eine Rolle, warum die Digitalisierung in den Kommunen gehemmt wird, meint der VDI.

Während sich die Kommunen in der digitalen Welt Defizite leisten, sehen die Gemeinden die Sanierung des öffentlichen Gebäudebestands als wichtig an. Unabhängig von der Gemeindegröße halten drei Viertel der Kommunen aufgrund von Urbanisierung, demografischen Wandel und steigenden Umwelteinflüssen den Gebäudebestand als wichtige Ressource für die kommunale Gesamtenergiebilanz. 80 % der Gemeinden sehen zudem die Bedeutung der regenerativen Energien als hoch an und planen die Errichtung von Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen sowie Blockheizkraftwerke. Die Einbindung dieser Anlagen in Smart Grids erhält in den Kommunen einen hohen Zuspruch, ebenso seien die Digitalisierung der Messeinrichtung und die Schaffung verbrauchsabhängiger Energietarife für die Mehrzahl der Kommunen sinnvolle Lösungen. Dafür müsste zunächst aber die digitale Infrastruktur ausgebaut werden.

Autor: Kai Eckert

Weitere Informationen:
https://www.vdi.de/technik/fachthemen/fahrzeug-und-verkehrstechnik/fachbereiche/verkehr-und-umfeld/smart-cities-und-mobilitaet-40/