Deutscher Batteriezellproduktion fehlen die Kunden

Deutschland ist führender Exporteur von Batterien. Für die Milliarden-Investitionen zur Produktion von Batteriezellen fehle jedoch der Business Case, sagen Branchenvertreter.
nach Quelle: E&M powernews, 15.02.2018

„Der Standort steht gut da. Die Exporte steigen“, das stellt der Fachverband Batterien im ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) klar.

Bild: Fotolia@djama

 

Es werde in der aktuellen Diskussion über eine Batteriezellproduktion in Deutschland der Eindruck erweckt, Deutschland habe gegenüber den asiatischen Herstellern den Anschluss verpasst, sagte Verbandsgeschäftsführer Otmar Frey vor Journalisten in Berlin.

Dabei sei die Batterie-Industrie hierzulande breit aufgestellt: Ob Lithium-Ionen (LI)-, Nickel-Cadmium, Zink-Luft, Alkali-Mangan oder andere – „Wir können eigentlich alle Arten von Batterien“, betont Frey. „Wir“ – das sind 30 Unternehmen mit rund 8 000 Beschäftigten. „Batterien sind überall, aber man sieht sie nicht, weil sie oft verborgen eingebaut sind“, sagt der Verbandsgeschäftsführer.

Und, so betont er, „eine Batterie ist nicht eine Batterie ist nicht eine Batterie“, denn sie seien sehr verschiedenartig. So stellt Weltmarktführer Varta mit 800 Mitarbeitern in Ellwangen und noch einmal 1 000 weltweit Mikrobatterien für Hörgeräte, Starterbatterien für Autos wie auch große stationäre Batterien bis in den Megawattstundenbereich her.


Umsatzwachstum um fast zwei Drittel in fünf Jahren

Das deutsche Know-how zeigt sich auch an den Marktzahlen: Zwischen 2011 und 2016 wuchs der Markt um fast 64 %, der Umsatz stieg auf 2,8 Mrd. Euro. Allein die Exporte in Deutschland gefertigter LI-Batterien legten um über 200 % zu. Treiber seien die in der Politik formulierten Klimaziele, die zum Ausbau der Elektromobilität und dem zunehmenden Einsatz stationärer Batterien führen, so der ZVEI. Bei LI-Batterien verzeichnete man 2016 einen Umsatz von 540 Mio. Euro. Allerdings haben die Importe stark zugenommen: 2016 wurden Lithium-Ionen-Zellen und -Batterien im Wert von 1,5 Mrd. Euro importiert, viermal soviel wie 2011.

Die „solide Basis“ der deutschen Batterieproduktion, so Frey, sind nach wie vor Bleibatterien, die 2016 einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro erzielten, davon 1,4 Mrd. im Export. Sie werden unter anderem für Autos verwendet, wie auch stationär zur Absicherung der Versorgung etwa von Krankenhäusern oder Rechenzentren. Zunehmend dienen sie aber dem Ersatz von Diesel in der Logistik, etwa in Häfen. „Es gibt einen Trend zur Elektrifizierung bei den Traktionsanwendungen, also etwa Gabelstaplern“, sagt Marleen Boucoiran, Vertriebsleiterin Europa bei Exide Technologies.


Problem: Autoindustrie hat keinen einheitlichen Standard

Wie steht es denn aber mit der Produktion von Batteriezellen? Auch dafür mangelt es nicht am Know-How: „Es gibt keinen Standortnachteil gegenüber Asien. Deutschland ist konkurrenzfähig“, unterstreicht Frey. „Wir haben den Maschinenbau für die Anlagen und wir haben die Chemie.“

Das Problem liegt woanders: Mindestens 1,5 Mrd. Euro müssten in die Hand genommen werden, verdeutlicht Frey. Dafür aber, so betonen die Branchenvertreter, brauche man dann auch die großen Abnehmer. „Denn man kann eine Zellfabrik nicht in kleinem Maßstab aufziehen , die muss zu 100 % arbeiten“, so Frey. Doch die Kundschaft fehlt.

„Wir haben schon vor acht Jahren einen Versuch für den Bereich Automotive gestartet“, berichtet Christian Riedel von Johnson Controls. „Doch der Verband der Automobilindustrie sagte uns: Wir können uns nicht auf eine Zelltechnologie einigen.“ Damit war das Projekt gestorben. „Wenn es einen Standard gäbe, kämen wir sicher weiter“, meint Riedel.


Evolutionäre Weiterentwicklung statt Technologiesprung erwartet

Man begrüße die Aktivitäten der Politik, „aber es braucht mehr als nur Ankündigungen“, sagt Frey zu der Initiative auf EU-Ebene und der Aussage im Entwurf für den Koalitionsvertrag, Deutschland solle Standort für Batteriezellproduktion werden. Dabei wünsche man sich dies durchaus wegen stärkerer Flexibilität und Unabhängigkeit von den asiatischen Herstellern, weil es wegen deren Marktstrategien und des steigenden Eigenbedarfs in den Ländern zu Versorgungsengpässen kommen könne.

Einen Technologiesprung bei den Batterien erwarten die Branchenvertreter für die nächsten Jahre eher nicht. Die Forschung ist im Gange, aber „es gibt noch viel zu tun“, sagt Rainer Hald, bei Varta zuständiger Manager für Mikrobatterien. So setzt man auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung, vor allem verschiedener Lithium-Technologien. Vielleicht, meint er, könne es bis 2030 eine Neuentwicklung geben.

Riedel rechnet damit, dass für die Autos insbesondere 12 Volt-Systeme stark kommen werden. Er verweist darauf, dass der Tesla S mit Laptop-Akkus fährt. „Das geht bei geringer Stückzahl, aber die sind zu schwer und zu träge und damit für die breite Elektromobilität nicht geeignet.“

Autor: Angelika-Nikionok-Ehrlich

Weitere Informationen:
https://www.zvei.org/presse-medien/pressebereich/export-von-lithium-ionen-batterien-im-aufwaertstrend/