Wärmepumpen-Anteil muss für Sektorkopplung massiv ausgebaut werden

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V. (BNE) und der Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP) fordern, endlich die Stromwende zur Energiewende weiter zu entwickeln.
nach Quelle: E&M powernews, 02.02.2018

"Es wird viel von der All Electric World gefaselt“, sagt BNE-Geschäftsführer Robert Busch. „Aber wer will die denn?“ Dennoch werde es eine zunehmende Elektrifizierung geben, wenn man die Sektorkopplung voran bringen wolle.

Holger Krawinkel, Leiter Customer Experience bei MVV geht von 25 % Mehrbedarf aus. Das betrifft vor allem den Wärmesektor und die Elektromobilität. „40 Prozent der Emissionen entstehen im Wärmemarkt, doch der Erneuerbaren-Anteil stagniert hier“, beschreibt Busch das Problem.

Voran kommen kann man hier nur durch einen massiven Ausbau der Solarenergie und von Wärmepumpen, da sind sich Busch wie auch MVV-Manager Krawinkel und BWP-Geschäftsführer Martin Sabel einig. „Das Postulat, Gas grün zu machen, funktioniert nur in der Theorie“, betont er, denn dabei gebe es starke Effizienzverluste. Aus einer Kilowattstunde Strom entstünden hierbei nur 0,5 bis 0,8 kWh, die Wärmepumpe erbringe demgegenüber 3 bis 4 kWh.


Mindestens fünfmal soviel Wärmepumpen bis 2030

Sabel verweist auf Studien der Agora Energiewende, der Dena wie auch des BDI, die die notwendigen Ausbaupfade ermittelt haben. Demnach müssten bis 2030 zwischen 4 und 8 Mio. Wärmepumpen installiert sein, um die Klimaziele zu erreichen. Derzeitig sind aber nur rund 800 000 Wärmepumpen installiert. Im vergangenen Jahr gab es einen Zubau von 17 %. "Das ist zu wenig“, betont Sabel, "damit würden wir statt einer Verfünffachung nur eine Verdoppelung erreichen".

Woran es hakt, ist klar: Der hohe Strompreis, der mit billigem Öl und Gas nicht konkurrieren kann. „Wenn das Heizen mit Öl trotz der schlechten Klimabilanz weiterhin so vergünstigt wird, entscheiden sich nur wenige Verbraucher für eine strombasierte Wärmelösung mit erneuerbaren Energien“, so Busch. Und dieser hohe Strompreis kommt zustande durch die enorme Belastung mit Umlagen und Abgaben, die über 75 % des Strompreises ausmachen.

„Deutschland ist Spitzenreiter in Europa bei diesem Missverhältnis“, sagt Sabel. Der Wärmepumpen-Verband fordert daher, die Industrieausnahmen (Besondere Ausgleichsregel) bei der EEG-Umlage aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren und die Stromsteuer abzuschaffen. „Das würde schon mal eine Entlastung um drei bis vier Cent pro Kilowattstunde bringen“, so Sabel.

Zudem sollte die Förderung fossile Heizungen eingestellt werden und es sollten per Ordnungsrecht – etwa über das geplante Energieeinspargesetz – ambitioniertere Standards gesetzt werden. „Eine Wegnahme der Stromsteuer allein reicht nicht“, sagt Busch. Er verweist auf eine vom BNE beauftragte Studie des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), laut der eine Belastung der fossilen Energieträger nach CO2-Gehalt hinzukommen müsste.

Elektromobilität könnte zum Treiber für Solarisierung werden

Daraus, da ist man sich sicher, würden notwendige Investitionsanreize und eine marktbasierte Nachfrage nach erneuerbaren Energien entstehen.
Solarisierung, Digitalisierung und Elektrifizierung – diese drei miteinander verbundenen Entwicklungen beschreiben nach Auffassung Krawinkels, wohin die Reise geht. Dabei könnte der Aufbruch zur Elektromobilität schneller laufen als erwartet und zum Treiber für die Solarisierung werden, meint er.

Denn wer ein Elektroauto hat, will dieses auch zu Hause laden können. Gleichzeitig fallen die Kosten für Solarenergie und Speicher drastisch. Umfragen zu den Kundenwünschen zeigten jedenfalls, dass an erster Stelle die Dach-PV-Anlage mit Batterie stehe, gefolgt von der Elektromobilität, so Krawinkel.

„Das Energiemanagement verlagert sich immer weiter in die Gebäude hinein“, konstatiert er, und dies mache auch eine Änderung des energierechtlichen Rahmens möglich und nötig, der von „Überregulierung“ und Kontrolle gekennzeichnet sei. Davon könne nun abgerückt werden, damit etwa bilaterale Lieferverträge oder Quartierslösungen ohne weiteres möglich sind, verdeutlicht Krawinkel. Noch behindern zahlreiche bau- und wohnrechtliche Vorgaben die weitere Elektrifizierung. Dies sollte eine neue Bundesregierung angehen.

Autor: Angelika Nikionok-Ehrlich

Weitere Informationen:
http://www.bne-online.de/de/content/bnebwp-zu-koalitionsverhandlungen-die-stromwende-zur-energiewende-weiterentwickeln