Allgäuer Überlandwerk wirbt für Offshore-Windkraft

Neben den beiden Engagements beim Projekt Borkum West kann sich das AÜW eine weitere Beteiligung an einem Hochseewindpark vorstellen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 12. Mai 2017

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Eine solche Empfehlung ist aus dem Mund eines Stadtwerke-Chefs in den zurückliegenden Monaten kaum zu hören gewesen: „Kommunalversorger sollten wieder verstärkt über eine Beteiligung an einem Offshore-Windparks nachdenken“, überraschte Michael Lucke, Geschäftsführer der Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW) jüngst auf der Windforce-Konferenz in Bremerhaven.
Für eine Scheibe an einem Hochseewindpark sprechen nach Einschätzung Luckes nicht nur finanzielle Motive: „Ohne Offshore-Windstrom werden viele Stadtwerke nicht die regenerativen Ausbauziele erreichen, die sie von ihren Stadträten als Vorgaben für den Klimaschutz auferlegt bekommen haben.“
 
Der Regionalversorger mit Sitz in Kempten will 20 Prozent seines Stromabsatzes bis 2020 regenerativ erzeugen. Berücksichtigt man noch die Anlagen anderer Betreiber und den weiteren erhofften Zubau in der Region, vor allem bei der Photovoltaik, wird die Quote insgesamt bei gut 40 Prozent liegen.
 
Lucke weiß, wovon er spricht. Da bei ihm im Allgäu die Biomasse- und Wasserkraftpotenziale beschränkt beziehungsweise ausgereizt sind, hatte das AÜW in den vergangenen Jahren verstärkt in Windparks in der Region und Mitteldeutschland investiert. „Wir hatten zuletzt aber drei schlechte Windjahre in Folge, sodass wir sowohl bei den erzeugten Kilowattstunden als auch bei finanziellen Erträgen deutlich unter Plan geblieben sind“, berichtete Lucke – eine Entwicklung, die nach seiner Einschätzung bei so manchem anderen Stadtwerk noch „zu Heulen und Brüllen“ führen wird.
 
Das AÜW selbst hat sich zweimal bei einem Windvorhaben in der Nordsee engagiert. An der ersten Baustufe des Trianel-Projektes Borkum West, die mit einer Leistung von 200 MW im Sommer 2015 in Betrieb ging, ist das Unternehmen mit 4,4 MW eingestiegen. In diesem Frühjahr hatten sich Aufsichtsrat und Geschäftsleitung entschieden, für gut 5,3 Mio. Euro rund 4,6 MW an der zweiten Ausbaustufe von Borkum West zu erwerben. Die Allgäuer Überlandwerke gehören zu den insgesamt 17 Kommunalversorgern, die zusammen mit der Trianel GmbH 37,99 Prozent an dem Offshore-Windpark halten, der 2019 in Betrieb gehen soll. Weitere Gesellschafter sind der EWE-Konzern mit einem Anteil von 37,5 Prozent sowie ein Joint Venture des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) und der schweizerischen Fonds-Gesellschaft Fontavis mit 24,51 Prozent.
 
Dass bislang nur wenige Stadtwerke den „Schritt auf See“ gewagt haben, kann sich Lucke mit eigenen Erfahrungen erklären. Der erste Bauabschnitt von Borkum ist, um es diplomatisch auszudrücken, alles andere als optimal verlaufen, was auch zu Lasten der ursprünglich zugesagten Rendite gegangen ist. Das hat sich, so Kucke, geändert: „Nach einer wirklich steilen Lernkurve ist die Offshore-Windenergie längst nicht mehr die Risikotechnologie, als die sie vor Jahren noch galt.“
 
Lucke schließt eine weitere Beteiligung an einem weiteren Offshore-Windpark nicht aus: „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, warum nicht.“ Da Offshore-Windparks längst immer von mehreren Partner gestemmt werden, erwartet der AÜW-Chef künftig auch wieder kommunale Beteiligungen: „Die Investoren werden nicht an der Tatsache vorbei kommen, dass kleinere und mittelständische Stadtwerke verlässliche Partner sind.“
 
Autor: Ralf Köpke