Südlink und Südostlink werden konkreter

STROMNETZ. Für zwei große Nord-Süd-Stromautobahnen, Südostlink und Südlink, kann nun mit der so genannten Bundesfachplanung für die Erdkabeltrassen das Genehmigungsverfahren beginnen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 07. März 2017
Nach dem Scheitern der Pläne, die großen Stromautobahnen für die Energiewende als Freileitungen zu bauen, haben die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Tennet und Transnet BW ihre Vorschläge für den künftigen Verlauf der nun unterirdisch als Erdkabel geplanten Nord-Süd-Transportverbindungen Südostlink und Südlink vorgelegt.
 
50Hertz und Tennet reichen am 8. März ihren Antrag auf Bundesfachplanung für die Gleichstromverbindung Südostlink durch die Bundesnetzagentur ein. Sie wird über rund 530 km von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt über Thüringen Sachsen und Bayern bis in die Nähe von Landshut führen und soll Windstrom aus Ostdeutschland nach Bayern bringen. Tennet ist dafür in Bayern zuständig, 50Hertz in den ostdeutschen Bundesländern.
 
Am 17. März wollen Tennet und der südwestdeutsche Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW dann auch den Antrag auf Bundesfachplanung für Südlink einreichen. Diese ebenfalls als Erdkabel geplante rund 800 km lange Gleichstromverbindung soll von Brunsbüttel an der Mündung der Elbe in die Nordsee durch Niedersachsen und Thüringen beziehungsweise Hessen nach Grafenrheinfeld in Nordbayern und weiter nach Großgartach bei Heilbronn führen. Sie soll Windstrom aus der Nordsee nach Süddeutschland bringen. Zuständig dafür sind Tennet im nördlichen Teil und Transnet BW im Süden.
 
Die drei Netzbetreiber wiesen bei der Präsentation ihrer Trassenvorschläge am 7. März in Berlin ausdrücklich darauf hin, dass es sich dabei keineswegs um schon festgelegte Routenverläufe sondern um sogenannte „Vorschlagskorridore“ handle, die mehrere Verlaufsvarianten ermöglichten. Erst am Ende der Bundesfachplanung werde die Genehmigungsbehörde den endgültigen Korridor festlegen, versicherte Tennet-Geschäftsführer Lex Hartmann.
 
Anwohnern, Natur und Umwelt sowie technischen Belangen sollten dabei gleichermaßen Rechnung getragen werden, ergänzte Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung von 50Hertz. „Die Trassen sind nicht in Stein gemeißelt“, unterstrich er. In den nächsten beiden Jahren könnten sich noch Veränderungen ergeben, bevor die Bundesnetzagentur über den tatsächlichen Verlauf der Kabelverbindungen entscheide, sagte Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Transnet BW.
 
Alle drei machten deutlich, dass bereits im Vorfeld zahlreiche Hinweise von betroffenen Bürgern, Kommunen, Unternehmen und Verbänden in die Arbeit an den Trassenvorschlägen eingeflossen seien. Transparenz und Information der Öffentlichkeit seien ihnen sehr wichtig. Hartmann sprach in Bezug auf Südlink von der „umfassendsten Bürgerbeteiligung, die es je für ein Netzausbauprojekt in Deutschland gab.“ Auch bei der Bundesfachplanung ist noch einmal die Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen.
 
Die Geschäftsführer wiesen zudem darauf hin, dass die neuen Stromtransportverbindungen im Wesentlichen vollständig als Erdkabel verlegt werden sollen. Auch wenn der Gesetzgeber Ausnahmen vom Kabelvorrang zulasse, „würden wir von hundert Prozent Erdverkabelung ausgehen“, sagte Götz. Auch er plane vollständig mit Erdkabel, ergänzte Hartmann. Schucht erwartet, dass ein Landkreis westlich von Magdeburg einen Antrag auf eine Freileitung statt eines Kabels stellen wird.
 
Hinsichtlich der Kabeltechnik „wollen wir auf die Ebene von 525 kV kommen“, erläuterte Hartmann. Im Moment würden mehrere Hersteller dafür qualifiziert. Als Alternative stünden Kabel in 380-kV-Technik zu Verfügung, ergänzte er. Dafür seien aber mehr Material und breitere Verlegetrassen erforderlich.
 
Die Investitionen für Südlink bezifferte Hartmann auf etwa 10 Mrd. Euro. Der höhere Aufwand in Relation zu den 3 Mrd. Euro Kosten für eine Freileitung sei angesichts der Vorteile gerechtfertigt. Angesichts des Gesamtumfangs des Netzausbaus sei die Entscheidung für Kabel vernünftig, so der Tennet-Chef. Auch Schucht bewertete das Umsteigen auf Kabel als nachvollziehbar und richtig. Die Akzeptanz für Erdkabel sei höher als für Freileitungen. „Wir haben bislang wenig Widerstand gegen Erdkabel festgestellt“, so der 50Hertz-Geschäftsführer.
 
Der Zeitplan der drei Netzbetreiber sieht vor, dass die Bundesnetzagentur bis Ende 2018 die Bundesfachplanung abschließt und endgültige Korridore für Südlink und Südostlink festlegt. Danach könnte das Planfeststellungsverfahren beginnen, dem 2020/21 die Baugenehmigung folgen soll. Viel Zeit für Gerichtsverfahren zum Trassenverlauf, bleibt dann allerdings nicht mehr, wenn die Leitungen wie vorgesehen bis 2025 gebaut und in Betrieb genommen werden sollen. Schucht mahnte noch einmal politische Unterstützung für den Netzausbau an.
 
Danach sieht es allerdings nur bedingt aus. Thüringen sage nein zu neuen Trassenplanungen von Tennet, erklärte Landesumweltministerin Anja Siegesmund direkt nach Bekanntwerden der Tennet-Pläne, den präferierten Vorschlagskorridor für den Südlink anstatt nach Hessen, in das westliche Thüringen zu legen. Die Energieministerin drängt darauf, auch westlich der Thüringer Landesgrenze liegende Trassenverläufe in die Planungen einzubeziehen.
 
Autor: Peter Focht