Vorbild für die Kunden

Der Unternehmer Andreas Müller verkauft Energietechnik – und stellt diese künftig selbst in einer besonders energieeffizienten Produktionshalle her.
nach Quelle: E&M PowerNews, 06.Juli 2017
In Ungerhausen bei Memmingen wird derzeit direkt neben der Lindauer Autobahn das neue energieautarke Produktions- und Bürogebäude der Alois-Müller-Gruppe errichtet. Dort entstehen rund 10 000 m2 Fertigungs- und Lagerflächen, weitere 4 000 m2 für Büros, Verwaltung, Schulungsräume und Kantine. Bereits seit 2012 steht am gleichen Standort eine rund 4 000 m2 große „Green Factory“. Zusammen mit dem Neubau entspricht das einer Gesamtfläche von rund 18 000 m2 und ist damit laut Firmenchef Andreas Müller das „größte, nahezu energieautarke Produktions- und Bürogebäude der Welt“.
Seit zweieinhalb Jahren wird die neue Halle geplant, für deren Bau Ende Juni der offizielle Spatenstich war. Noch in diesem Jahr sollen die Lagerräume in Betrieb genommen werden, ein halbes Jahr später will man Büro- und Schulungsräume sowie die Kantine fertiggestellt haben.
 
Die Eigenstromproduktion reicht aus, um das Werk zu versorgen
 
Die Energie für das Gebäude und die Produktionsprozesse liefert eine PV-Anlage auf dem Hallendach mit 1,1 MW Leistung, die von einem BHKW mit bis zu 200 kW Leistung ergänzt werden kann. Hauptenergieträger bei dem Anlagenbauer ist laut Firmenchef Müller Strom. Die Strommengen aus PV und BHKW reichten aus, um das Werk bilanziell mit Eigenstrom zu versorgen; einen Netzanschluss gibt es aber auch noch.
Zur Abdeckung des Wärmebedarfs bekommt die Grüne Fabrik einen Pelletkessel und für die Bedarfsspitzen einen Gaskessel. Eine Brunnenanlage stellt kaltes Wasser für die Kühlung bereit. Insgesamt sind 2 500 kW thermische Leistung und 600 kW Kälteleistung installiert.
Ergänzt werden die Erzeugungsanlagen mit einem Wärme- und einem Kältespeicher. Der Wärmespeicher hat noch eine Elektrodenheizung, mit deren Hilfe Stromüberschüsse als thermische Energie gespeichert werden können. Wärme wie Kälte will man nicht allein nutzen, beide Speicher sind an Wärme- und Kältenetze angeschlossen, die Nachbarbetriebe in dem neuen Gewerbegebiet an der Autobahn versorgen können. Betreiber ist die e-con AG, die eigene Beratungs- und Contractingtochter des Unternehmens.
 
Eigene Stickstoffproduktion mit Überschussstrom
 
Bei der umweltfreundlichen Eigenerzeugung elektrischer und thermischer Energie soll es nicht bleiben. Firmenchef Müller legt auch viel Wert auf die energieeffiziente Nutzung des Stroms. So verfügt das ganze Gebäude über LED-Beleuchtung und über ein Energie-Monitoring, über das die Ingenieure immer sehen können, wie viel Energiebedarf gerade an welcher Maschine oder in welchem Gebäudeteil gedeckt werden muss.
Das Energiemanagementsystem sorgt künftig auch dafür, dass manche Verbraucher − wie etwa die Stickstoffproduktion für die Laser − erst dann anlaufen, wenn das Werk einen Stromüberschuss hat. Normalerweise wird Stickstoff beim Lieferanten für technische Gase eingekauft, erzählt Müller, hier habe man sich dafür entschlossen, das Gas selbst herzustellen.
Die Kopplung des Energiemanagementsystems mit der Wetterprognose soll künftig außerdem dafür sorgen, dass energieintensive Prozesse so gestartet werden, dass sie bei einer hohen Solarstromproduktion ablaufen.
Als weitere Stromverbraucher will Müller noch Ladesäulen für Elektromobile auf dem Werksgelände aufstellen. Insgesamt acht Ladestationen sind geplant, die von jedermann genutzt werden können. Zwei davon werden Schnellladesäulen sein, die ein Fahrzeug innerhalb von 20 Minuten aufladen können.
Untergebracht sind BHKW und Kessel in einer Energiezentrale. Diese will Müller auch als „Showroom“ für seine Kunden nutzen. Das Unternehmen baut und installiert energietechnische Anlagen wie BHKW, Kessel, Wärmepumpen und Klimatechnik und betreibt diese auch über Contractingmodelle. In der Green Factory können die Kunden die einzelnen Anlagenteile in Aktion sehen und erleben, wie sich eine nachhaltige, ressourcenschonende Produktion in der Praxis realisieren lässt.
 
Autor: Armin Müller