Netzreserve schon im Einsatz

Derzeit nutzen die deutschen Übertragungsnetzbetreiber die gesicherte Reservekapazität und bereiten sich darauf vor, die Kollegen in Frankreich zu unterstützen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 7. Dezember 2016

Nach Angaben der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW, Tennet, Amprion und 50Hertz wird seit dem 10. Oktober dieses Jahres die gesicherte Reservekapazität in Anspruch genommen - bisher bereits an 26 Tagen. Maximal wurden dabei etwa 6 000 MW abgerufen.

Die für diesen Winter sicher zur Verfügung stehende Kapazität beträgt rund 8 300 MW. Laut einem Sprecher von 50Hertz sind darin die Kapazitäten der sogenannten systemrelevanten Kraftwerke enthalten. Nach Angaben der Bundesnetzagentur betragen diese derzeit 2 910,9 MW. Es handelt sich dabei um Erzeugungsanlagen, die aus Gründen der Versorgungssicherheit nicht endgültig stillgelegt werden dürfen.

Im Frühjahr dieses Jahres hatten die Übertragungsnetzbetreiber bei der Bundesnetzagentur einen Reservekapazitätsbedarf von 5 400 MW für den Winter 2016/17 angezeigt, der im Bericht zum Netzreservebedarf der Behörde vom 2. Mai 2016 veröffentlicht wurde. Zu dieser Zeit waren bereits 19 Kraftwerksblöcke mit insgesamt 4 505 MW Leistung in der Netzreserve gebunden. Als kritischste Netzsituationen wurden im Bericht der Starkwindfall (maximale Windeinspeisung, keine PV-Einspeisung und sehr hohe Last) und das sogenannte Übergangsszenario (hohe Windenergieeinspeisung, ungünstige Nord-Süd-Verteilung der PV-Einspeisung und hohe Last) betrachtet.

Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber sehen die Versorgungssicherheit derzeit nicht akut gefährdet. In einer gemeinsamen Mitteilung weisen sie jedoch darauf hin, dass sich die Belastungen der Netze und somit auch die Risiken für die Versorgung deutlich erhöht hätten. Verantwortlich seien dafür in erster Linie die zunehmende Menge an volatiler Einspeisung der erneuerbaren Energien sowie die Stilllegung konventioneller Kraftwerkskapazitäten. Solange das Netz noch nicht entsprechend ausgebaut sei, könne vor allem die Kombination aus hoher Last und starker Windeinspeisung zu Problemen führen. Aus diesem Grund sei in Absprache mit der Bundesnetzagentur die Beschaffung von Reservekapazitäten für die Wintermonate notwendig.

In der aktuellen Situation in Frankreich, wo derzeit im Vergleich zum vorangegangenen Winter rund 5 000 MW weniger zur Verfügung stehen, sehen die Netzbetreiber hierzulande ebenfalls eine Herausforderung. Sie stünden deshalb in ständigem Austausch mit ihren Kollegen vom französischen Netzbetreiber RTE, um im Bedarfsfall unterstützend einzugreifen.

Nach Erkenntnissen des europäischen Verbands der Übertragungsnetzbetreiber Entso-E wird Frankreich im Dezember 2016 auf Stromimporte angewiesen sein. Da die Nachfrage dort aufgrund vieler elektrischer Heizungen insgesamt sehr temperaturabhängig sei, könnten sehr niedrige Temperaturen, etwa bei einer Abweichung um -5° C von den „normalen“ Werten, die Netzstabilität gefährden. Eine Änderung um -1° C führt nach Angaben von Entso-E schon zu einer Zunahme der Last um 2 400 MW.

Autor: Fritz Wilhelm

Weitere Informationen:
https://www.entsoe.eu/Pages/default.aspx