Steuern und Abgaben vielfach Kostentreiber

Energie ist in den vergangenen Jahren überwiegend billiger geworden.
nach Quelle: E&M PowerNews, 1. Dezember 2016

Das geht aus einem Bericht hervor, den die Brüsseler EU-Kommission vorgelegt hat. Doch nicht jeder profitiert davon.

Die EU-Kommission warnt allerdings davor, diesen Zustand als gegeben hinzunehmen. Die Entwicklung an den Öl- und Gasmärkten könne nur schwer prognostiziert werden. Auf den Strommärkten entwickeln sich die Groß- und die Einzelhandelspreise weiter auseinander.

Die Großhandelspreise für Strom sind seit 2008 praktisch ohne Unterbrechung um rund 70 % gefallen auf rund 35 Euro/MWh im europäischen Durchschnitt. Für diese Entwicklung gibt es nach Ansicht der Kommission mehrere Ursachen: niedrigere Brennstoffkosten für Kohle und Gas, der Rückgang des Anteils fossiler Energie am Energiemix, leistungsfähigere Interkonnektoren, das Zusammenwachsen der nationalen Märkte, ein größeres Angebot von Strom aus Wind und Sonne zu niedrigen Grenzkosten (für jedes Prozent mehr errechnet die Kommission einen Preisrückgang von 0,4 Euro/MWh), eine schwache Nachfrage aufgrund der Wirtschaftskrise sowie die niedrigen Preise im europäischen Emissionshandel.

Im Gegensatz dazu ist Strom für die Verbraucher immer teurer geworden. Je MWh mussten private Haushalte im vergangenen Jahr 209 Euro bezahlen, 22 % mehr als 2008. Der Anteil der eigentlichen Energiekosten in diesem Betrag fiel im genannten Zeitraum um 15 %, deutlich weniger als auf den Großhandelsmärkten. Als Ursache dafür vermutet die Kommission zu wenig Wettbewerb und nationale Vorschriften zur Regulierung der Energiepreise. Gestiegen sind dagegen die Netzkosten (+3,3 %/pa) sowie Steuern und Abgaben (+5,2 %/pa). Die großen Unterschiede der Strompreise zwischen den EU-Staaten: weniger als 100 Euro/MWh in Bulgarien und mehr als 300 Euro/MWh in Dänemark, führt die Kommission überwiegend auf die unterschiedliche Abgabenbelastung zurück.

Steuern und Abgaben für Industrie fast verdreifacht

Anders verlief die Entwicklung bei den Industriepreisen. Die Industrie musste im genannten Zeitraum pro Jahr 2,8 % weniger für den Energieanteil bezahlen und 3,2 % mehr für den Stromtransport. Ihre Steuern und Abgaben verdreifachten sich nahezu. Absolut gesehen zahlte die Industrie 2015 allerdings immer noch weniger als halb so hohe Steuern und Abgaben auf den Strompreis als die privaten Haushalte. Und die Preise je MWh gingen absolut zurück.

Im Vergleich zu ihren wichtigsten Wettbewerbern zahlte die europäische Industrie im vergangenen Jahr tendenziell eher weniger als 2012. Damals mussten europäische Betriebe im Durchschnitt 2,2 Mal mehr für ihren Strom bezahlen als in den USA, 2015 betrug der Faktor 1,7. Gegenüber anderen Ländern verbesserte sich die Wettbewerbsfähigkeit nur wenig.

Die Gaspreise sind von 2008 bis 2013 angestiegen von 25 auf 38 Euro je MWh und seitdem wieder um 50 % gefallen. Im Jahr 2015 fiel der Preis auf rund 13 Euro je MWh. Die Kommission führt diese Entwicklung auf die konjunkturbedingt schwache Nachfrage und ein steigendes Flüssiggas-Angebot auf den Weltmärkten zurück. Die Gaspreise für die privaten Haushalte sind seit 2008 kontinuierlich um zwei Prozent pro Jahr gestiegen. Auch hier erweisen sich Steuern und Abgaben (+4,2 %/pa) als größter Kostentreiber. Die Leitungskosten stiegen um 2,5 % pro Jahr, der Energiegehalt wurde um 0,3 % im Jahr teurer.

Industriekunden mussten dagegen weder für den Gastransport noch für Steuern und Abgaben signifikant mehr bezahlen als 2008 und deutlich weniger für das Gas selbst, so dass ihre Gaspreise rückläufig waren. Auch hier hat sich die Preisdifferenz im Vergleich zu anderen Industriestaaten verbessert, insbesondere gegenüber den USA. 2012 zahlten europäische Betriebe 3,3 Mal mehr für ihr Gas, im vergangenen Jahr war der Faktor 2,5.

Auch andere fossile Energieträger wie Kohle und Öl sind wieder billiger geworden. Für den Import von Kohle, Öl und Gas musste die EU im Jahr 2005 rund 238 Mrd. Euro bezahlen, 2013 sogar 403 Mrd. Euro. Im Jahr 2015 waren es aber nur noch 261 Mrd. Euro. Allerdings gingen auch die eingeführten Mengen leicht zurück.

Die Gesamtkosten der privaten Haushalte für Energie (ohne Kraftstoffe) haben sich in den vergangenen Jahren nur wenig verändert. Der Anteil an allen Ausgaben ist im Zeitraum 2008 bis 2014 von 5,3 auf 5,8 % gestiegen. Gleichzeitig fielen die Transportkosten von 4,3 auf 3,9 %. Ärmere Haushalte geben einen größeren Anteil ihres Einkommens für Energie aus als besser gestellte. Insgesamt haben die Haushalte inzwischen auf die steigenden Preise reagiert. Ihr Verbrauch ging von 2004 bis 2014 um vier Prozent zurück.

Autor: Tom Weingärtner