Effizienzhaus Plus-Niveau wird serientauglich

Richtfest für Deutschlands erste Effizienzhaus Plus-Siedlung
nach Quelle: Presseinformation asset GmbH, 06.10.2016

Am 6. Oktober wurde in Anwesenheit von Wirtschaftsstaatssekretär Josef Pschierer das Richtfest für die erste Effizienzhaus Plus-Siedlung in Deutschland in Friedberg Hügelshart gefeiert.
Foto: Eckart Matthäus

Am 6. Oktober fand mit allen am Bauprojekt beteiligten Firmen das Richtfest für die Effizienzhaus Plus-Siedlung in Hügelshart bei Augsburg statt. Die Siedlung gilt als Deutschlands erste nach den Kriterien des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Bau erstellte Effizienzhaus Plus-Siedlung.

Das Bauprojekt der asset Grundbesitz- und Vermögensverwaltung GmbH in Kooperation mit der BayWa AG steht exemplarisch für die Serienreife von energieeffizienter, wohngesunder und gleichzeitig wirtschaftlicher Bauweise: Die 13 Hauseinheiten, neun Einfamilienhäuser und vier Doppelhaushälften, produzieren jeweils mehr Energie, als deren Bewohner im Jahresdurchschnitt verbrauchen. Am Richtfest nahmen rund 120 geladene Gäste teil, darunter Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Landrat Dr. Klaus Metzger und Friedbergs 3. Bürgermeisterin Martha Reißner. Den Richtspruch sprach der Zimmermeister Ludwig Knöpfle.

 

Bernhard Jakob, Geschäftsführer der asset GmbH, begrüßte die Gäste am Richtfest und bedankte sich im Namen der asset GmbH und der BayWa AG für den bisherigen Einsatz am Bauprojekt an der Greinerstraße. „Mit der Siedlung zeigen wir, dass eine energieeffiziente Bauweise wirtschaftlich möglich ist“, so Jakob. „Unser Konzept in Hügelshart lässt sich gut auf andere Hausprojekte übertragen und unterstützt Gemeinden dabei, ihre Klimaziele zu erreichen. Die asset GmbH wird in Kürze weitere Häusertypen im Effizienzhaus Plus-Standard auf den Markt bringen. Wir arbeiten derzeit auch daran, das Konzept der Energiehaus Plus-Siedlung auf Mehrfamilienhäuser zu übertragen.“

 

„Das Projekt hat Vorbildcharakter“, bescheinigte Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer den Projektpartnern. Er gratulierte allen künftigen Hausbesitzern für ihre kluge Investition in Energieeffizienz, innovative Technik und eine hohe Lebensqualität. „Die Energiewende ist keine reine Stromwende. Auch Wärme spielt eine sehr große Rolle, und eine moderne Bauweise kann einen erheblichen Beitrag zur Wärmewende leisten“, betonte Staatssekretär Pschierer.

 

Es sei ein Projekt, das im Einklang mit der Friedberger Stadtplanung stehe, sagte Martha Reißner, 3. Bürgermeisterin von Friedberg. „Die Effizienzhaus Plus-Siedlung ist richtungsweisend für das energieeffiziente Bauen in Gemeinden.“ Dabei unterstütze der Bau der Siedlung das regionale Handwerk, Dienstleister, Handel und die Industrie. So konnte das innovative Konzept für die Effizienzhaus Plus-Siedlung auf eine in der Region machbare Basis gestellt werden. In Friedberg kam das Energiekonzept der Siedlung gut an: Vier Häusereinheiten wurden über das Einheimischen-Modell vergeben. „Städte und Gemeinden, die Baugrund mit einer Sonderausweisung für Effizienzhaus Plus-Häuser anbieten, zeigen, dass sie bereits heute aktiv am Erreichen der Klimaschutzziele mitarbeiten“, so Reißner.

 

Die Effizienzhaus Plus-Siedlung setze ein Zeichen für nachhaltiges Bauen, sagte Marcus Pöllinger, Leiter der Sparte Baustoffe bei der BayWa. „Mit den vorhandenen Ressourcen nachhaltig zu wirtschaften ist Ziel im Bauwesen. Energieeffizientes und wohngesundes Bauen sollte deshalb auch auf der wirtschaftlichen Ebene möglich sein. Hierfür entwickelt die BayWa aktiv Konzepte für Kunden – mit der Siedlung in Hügelshart, aber auch mit weiteren Referenzprojekten und Dienstleistungen.“

 

Mit einer Energieautarkie von ca. 70 Prozent seien die Häuser vor allem eines: zukunftssicher. Das betonte Steffen Mechter, Leiter Strategische Geschäftsentwicklung bei der BayWa im Bereich Baustoffe während er das Projekt am Richtfest vorstellte. „Der hauseigene Energieüberschuss ermöglicht es beispielsweise, ein Elektroauto direkt am Haus aufzuladen. Die Energie für die Elektromobilität stammt dank des intelligenten Energiemanagements aus der regenerativen Energieversorgung der Photovoltaik-Anlage und ist nachhaltig produziert.“ Die Siedlung sei das Ergebnis einer konstruktiven Partnerschaft zwischen der asset GmbH und der BayWa AG: „Wir waren beide von Anfang an von der Zukunftsfähigkeit der Siedlung überzeugt. Um ein wirtschaftliches und kalkulierbares Effizienzhaus Plus zu bauen, so wie es nun in Hügelshart steht, haben wir viel Zeit investiert – und wir können jetzt schon sagen, dass diese Zeit richtig investiert war und ist“, so Mechter.

 

Die Ziegelhäuser der Effizienzhaus Plus-Siedlung erfüllen bereits heute die Anforderungen, die nötig sind, um die Baustandards 2020 zu erreichen. Konkret heißt das: ein niedriger Energieverbrauch auf der einen Seite und eine hohe solare Deckung über die eigene Energieerzeugung gepaart mit einem intelligenten Energiemanagement auf der anderen Seite. Auf das Gesamtjahr betrachtet, können sich die Effizienzhäuser Plus in Hügelshart so selbst mit Energie versorgen und überschüssigen Strom ins Netz einspeisen. Bei den Autarkieberechnungen für Hügelshart  wurde auch der Haushaltsstrom mitberücksichtigt. Er beträgt bei gut gedämmten Gebäuden ca. die Hälfte der gesamten Energiekosten.

 

Allein durch die Gebäudehülle und die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sind die Häuser bereits ausgesprochen energieeffizient: Eine monolithische Außenwandkonstruktion aus Ziegelsteinen mit hochwärmedämmendem Kern und Fenster mit dreifacher Wärmeschutzverglasung sorgen außerdem für einen niedrigen Energieverbrauch.

 

Die Energie wird über eine Photovoltaik(PV)-Anlage auf den Dächern gewonnen. Das Konzept hierzu kommt von den Spezialisten in Sachen Solarenergie der BayWa r.e. Mit 44 Modulen und einer Gesamtleistung von 12,32 kWp kommen die Einfamilienhäuser auf einen jährlichen PV-Stromertrag von ca. 14.248 kWh. Die 28 Module der Doppelhaushälften mit einer Gesamtleistung von 7,84 kWp erzeugen einen Stromertrag von rund 8.676 kWh pro Jahr. Gespeichert wird die Energie in einer Lithium-Ionen-Batterie und, in Wärme umgewandelt, in einem thermischen Wasserspeicher. Das hauseigene Energiemonitoring steuert einerseits alle Anlagenkomponenten automatisch, was zu einer optimalen Nutzung des PV-Stromertrags beiträgt. Andererseits kann der Nutzer selbst durch sein Verhalten den Autarkiegrad positiv beeinflussen. Gleichzeitig liefert das Energiemonitoring wichtige Daten für die Weiterentwicklung des Effizienzhauses.

 

Die Wohnhäuser sind nicht nur in einem hohen Grad energieeffizient, sondern auch nach den Kriterien der Wohngesundheit gebaut. Aufgrund von immer dichter werdenden Gebäudehüllen, erhöht sich die Konzentration von Schadstoffen in der Raumluft. Um eine gesunde Raumluft zu garantieren, werden in der Effizienzhaus Plus-Siedlung in Hügelshart ausschließlich geprüft schadstoffarme Baumaterialien in den Innenräumen verwendet. Der Einsatz dieser wohngesunden Baustoffe und deren richtige Verarbeitung tragen zu einem gesunden Raumklima bei. Der Einbau einer zentralen Lüftungsanlage sorgt zudem für stets niedrige CO2-Werte und eine gute Raumlufthygiene. Jedes Haus wird nach der Fertigstellung vom TÜV Rheinland hinsichtlich Wohngesundheit geprüft und zertifiziert.

 

Das Herzstück der Wärmeerzeugung ist die Kombination aus Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Inverter-Technologie und thermischem Wasserspeicher. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe, die vorrangig mit Strom aus der PV-Anlage betrieben wird, erwärmt das Wasser im Speicher für die Heizungsanlage. Eine Klimadecke, die sowohl wärmen als auch kühlen kann, verteilt die Wärme im Haus und nutzt dabei das Prinzip der Strahlungswärme, ähnlich wie die Sonne: Die auf Wände und Boden treffende Strahlungsenergie erwärmt die Bauteile. Da solarer Strom nicht durchgängig verfügbar ist, wird die Wärme auch über ein ausgewogenes System aus Heizkreispuffer- und Batteriespeicher erzeugt. Das Warmwasser wird ebenfalls mit Hilfe der Wärmepumpe erzeugt und in einem Speicher mit 235 Liter bevorratet.

 

Die Effizienzhaus Plus-Siedlung und mögliche Folgeprojekte leisten einen aktiven Beitrag zur Entwicklung des energieeffizienten und emissionsarmen Wohnungsbaus. Das Projekt steht im Kontext der Energiewende und der Erreichung der Klimaschutzziele bis 2020. Bis 2050 strebt die Bundesregierung sogar einen „klimaneutralen Gebäudestand“ an. Die Effizienzhaus Plus-Siedlung leistet das bereits heute.

 

Weitere Informationen:
http://www.effizienzhausplussiedlung.de/