DLR will Thermobatterie mit Industrie weiterentwickeln

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat eine Testanlage offiziell in Betrieb genommen, in der Wärmeenergie in Salz gespeichert wird.
nach Quelle: E&M PowerNews, 19. September 2017
Abwechselnd von 250 Grad Celsius auf 560 Grad Celsius werden 100 Tonnen flüssiges Salz in der Anlage in Köln aufgeheizt und wieder abgekühlt. Von einer weltweit einzigartigen Testumgebung spricht das DLR in einer Mitteilung. Die Anlage besitzt eine Speicherkapazität von rund 4 000 kWh.
Flüssigsalzspeicher sind zwar kein neuer Ansatz zur Speicherung regenerativ erzeugter Energien. Sie können elektrische Energie in Form von Wärme speichern, die anschließend zurück verstromt wird. In Spanien und an Standorten mit hoher solarer Direkteinstrahlung sind sie bereits seit Jahren im kommerziellen Einsatz. Die Forscher in Köln wollen nun aber zusammen mit Industriepartnern die Technologie auch in neuen Anwendungsfeldern etablieren. So könnten Salzspeicher in energieintensiven Prozessen, etwa in der Metall-, Zement- oder Glasproduktion, Abwärme in großem Umfang aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben.
DLR-Vorstand Prof. Karsten Lemmer weist darauf hin, mit der Thermobatterie Tesis (Test Facility for Thermal Energy Storage in Molten Salt) könnten Speichertechnologien anwendungsbezogen und im industriellen Maßstab weiterentwickelt werden. Industriepartner könnten die Anlage nutzen, um ihre Konzepte und Bauteile zu testen und zur Marktreife zu bringen. Nach Auskunft einer DLR-Sprecherin finden derzeit Gespräche mit mehreren Unternehmen statt, welche den „Prüfstand“ an der Anlage beispielsweise für den Test eigener Rohre oder anderer Bauteile unter realen Bedingungen nutzen möchten.
Ursula Borak, Leiterin der Unterabteilung Internationales, fossile Energieträger und Kernenergie im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bezeichnete anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme leistungsfähige Speicher als eine „wichtige Technologieoption, wenn es darum geht, die starken Einspeiseschwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen“. Die Testanlage helfe effizientere Wärmespeicher zu entwickeln und Kostensenkungspotentiale zu erschließen.
Die DLR-Forscher rechnen aufgrund der zu erwartenden Erkenntnisse aus dem Betrieb der Testanlage mit einem Kostensenkungspotenzial bei Flüssigsalzspeichern von 40 %. Bei den bislang üblichen Anlagen mit zwei Tanks, liegen die Kosten zur Ein- und Ausspeicherung einer Kilowattstunde bei 20 bis 30 Euro.
Die Wissenschaftler testen in Köln erstmals eine Anlage mit nur einem Tank. In diesem ist Material unterschiedlicher Temperatur geschichtet. Im oberen Teil befindet sich das heiße Material, im unteren das kühlere. Laut DLR hat das Konzept Kostenvorteile, da ein ansonsten üblicher weiterer Tank eingespart wird. Außerdem lasse sich in großem Umfang Salz durch günstigeres Füllmaterial, etwa Keramik oder Gestein, ersetzen.
Die rund 3,5 Mio. Euro an Gesamtinvestitionen für die Testanlage stammen zum Teil aus der Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums, zum Teil auch aus Eigenmitteln des DLR. Die Bauzeit und Inbetriebnahme der Anlage betrug 14 Monate.
 
Autor: Fritz Wilhelm