Kein Mangel an Batterie-Rohstoffen

Die Verfügbarkeit von wichtigen Rohstoffen für die Produktion von Batterien ist kein grundsätzliches Hindernis für die Ausbreitung der Elektromobilität, zeigt eine aktuelle Studie.
nach Quelle: E&M PowerNews, 06. Oktober 2017


Bildquelle: Fotolia©stockWERK

Für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos sind Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Nickel und Grafit erforderlich, die bislang in der Autoproduktion noch keine Rolle spielen.
Wie aus der Studie „Strategien für die nachhaltige Rohstoffversorgung der Elektromobilität“ des Öko-Instituts hervorgeht, wird der Bedarf an solchen Materialien signifikant, teilweise um das Fünfzehnfache ansteigen, wenn die bisherigen Autos mit Verbrennungsmotoren durch E-Mobile ersetzt werden sollen.
 
Doch das muss kein Hindernis für den Ausbau der Elektromobilität sein. Wie Matthias Buchert, Leiter des Bereichs Ressourcen und Mobilität beim Öko-Institut bei der Vorstellung der Untersuchung in Berlin sagte, sind die genannten Rohstoffe, aber auch das für die Herstellung von Brennstoffzellen nötige Platin in ausreichender Menge auf der Erde verfügbar, um eine schnelle Verbreitung von Elektroautos zu ermöglichen. Um dies zu belegen, haben die Verfasser der Studie für Lithium, Kobalt, Nickel, Grafit und Platin Zahlen zu aktuellen Fördermengen sowie den globalen Reserven und Ressourcen ermittelt und den künftigen Bedarf für die Batterieproduktion hochgerechnet.
 
In Auftrag gegeben hat die Untersuchung die Denkfabrik Agora Verkehrswende, die damit nach Auskunft ihres Direktors Christian Hochfeld vor allem eine gute Datenbasis für die Versachlichung der Diskussion über Elektromobilität schaffen wollte.
 
Die wichtigste Botschaft ist, dass die Rohstoffe für Batterien zwar in ausreichendem Umfang verfügbar sind, dass die Versorgung damit aber dennoch nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Buchert plädiert deshalb auch dafür, auf ausreichendes Recycling der Batterien zu achten, um so wertvolle Rohstoffe wiederzugewinnen. „Um vor unliebsamen Überraschungen gewappnet zu sein sollten wir, wo immer es geht, die Nachfrage nach Primärrohstoffen dämpfen“, erklärte er.
 
Europäische Batterierichtlinie überarbeiten
 
Agora Verkehrswende mahnt in diesem Zusammenhang eine Weiterentwicklung der europäischen Batterierichtlinie an, die zwar Recyclingquoten vorschreibe, aber Autobatterien noch nicht angemessen adressiere, so Hochfeld. Notwendig seien Recyclingquoten für strategische Schlüsselrohstoffe und der Aufbau eines weltweiten Recyclingsystems für Lithium-Ionen-Batterien. Ferner empfiehlt die Studie, ein Rohstoffradar, also ein regelmäßiges Monitoring der Rohstoffversorgung, sowie eine Forschungsinitiative Batterietechnologien mit dem Ziel einzurichten, die Materialeffizienz zu steigern.
 
Für sehr wichtig erachten Agora Verkehrswende und Öko-Institut auch, auf nachhaltige Gewinnung von Batterie-Rohstoffen, also auch auf Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards in den Förderländern zu achten. Als konkreten Problemfall nennt die Studie die Kobaltgewinnung „unter problematischen Umwelt- und Sozialbedingungen“ in der Demokratischen Republik Kongo, dem größten Förderland für diesen Rohstoff. Um das zu ändern, sei eine verbindliche Einführung einer unternehmerischen Sorgfaltspflicht nötig, wie sie bereits für „Konfliktmineralien“ wie Zinn, Wolfram und Gold existiere.
 
Für die nachhaltige Lithium Förderung empfiehlt die Studie, eine internationale Industrieallianz und Rohstoff-Partnerschaften ins Leben zu rufen.
 
Öko-Institut-Experte Bucher rechnet damit, dass Lithium-Ionen-Batterien bis mindestens 2030 die dominierende Batterietechnik für Elektroautos bleiben wird. Für diese Speichertechnik würden momentan weltweit große Produktionskapazitäten aufgebaut. Auf der ganzen Welt werde aktuell deshalb Lithium exploriert.
 
Autor: Peter Focht