Energy mit Rekordbeteiligung

Die Hannover Messe setzt ihren Schwerpunkt auf vernetzte Energielösungen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 15. März 2017
Wenn Maschinen aus ihren eigenen Fehlern lernen, wenn Roboter so leicht wie ein Smartphone zu bedienen sind, wenn Energiesysteme digital gesteuert und vernetzt werden: Dann ist Hannover-Messe, die diesmal ihren 70. Geburtstag feiert.
Mit rund 6 500 Ausstellern wird vom 24. bis 28. April auf dem Messegelände in Niedersachsens Hauptstadt eine Rekordbeteiligung gemeldet. Partnerland ist in diesem Jahr Polen. Daher wird die Messe von Kanzlerin Angela Merkel und Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo eröffnet.
„Integrated Industry – Creating Value“ heißt das Motto 2017, nachdem im Vorjahr der technologische Durchbruch für die „Industrie 4.0“ mit der Vernetzung von Produktion und IT im Fokus stand. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Entscheider aus Industrie und Energiewirtschaft erkennen, welche direkten und langfristigen Vorteile sie aus der Digitalisierung ziehen können“, betonte Messe-Vorstand Jochen Köckler im Vorfeld der Veranstaltung. Die Aussteller müssten nun beweisen, dass ihre Innovationen tatsächlich einen Mehrwert schaffen und neue Märkte erobern.
 
Energy – neue Technologien für die Energiewende
 
Wie sich der Energiemarkt weiter verändern wird, zeigen diesmal rund 1 200 Aussteller, davon rund 60 Prozent aus dem Ausland, auf 43 000 m2 Fläche. Die Leitmesse „Energy“ präsentiert sich in den Hallen 12, 13 und 27 genauso umfangreich wie im Vorjahr unter dem Motto „Integrated Energy“. Die Digitalisierung verändere auch die Branche und ermögliche zum Beispiel den Umbau von alten Kraftwerksstrukturen zu einer erneuerbaren, dezentralen und effizienten Stromerzeugung. „Wir zeigen vernetzte Lösungen entlang der gesamten Energie-Wertschöpfungskette – von der Erzeugung, Übertragung, Verteilung und Speicherung bis hin zu alternativen Mobilitätslösungen“, so Köckler.
 
Effizienz – die Industrie kann viel mehr
 
Mit der Digitalisierung steigen auch die Energieeinsparmöglichkeiten. Doch viele nutzten die Chance noch nicht. So sind nur sechs von zehn deutschen Industrieunternehmen laut der letzten Erhebung des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) mit dem Ergebnis ihrer Energieeffizienzmaßnahmen zufrieden. Unwissenheit scheint immer noch ein großes Hemmnis zu sein. Über alle Branchen gerechnet, kennen laut EEP-Leiter Alexander Sauer drei Viertel der Befragten nicht einmal den Standby-Verbrauch ihrer Produktionsanlagen.
 
„Die umweltfreundlichste und günstigste Kilowattstunde ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen“ – mit diesem Leitsatz wirbt die Bundesregierung für ihren Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE). Ziel ist es, den Primärenergieverbrauch bis 2020 gegenüber 2008 um 20 Prozent zu senken und bis 2050 zu halbieren. Im Sommer 2016 hat das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) mit dem Grünbuch Energieeffizienz die Debatte neu angestoßen. In einer Studie für das BMWi ermitteln derzeit das Beratungsinstitut adelphi, die Dena und weitere Partner, welche Innovationen konkret zur Effizienzsteigerung in der Industrie beitragen können. Die vier so genannten „Kopernikus-Projekte“ drehen sich um energie- und ressourceneffiziente Verfahren, Prozesse und Anlagen; vorgestellt werden auch innovative Werkstoffe und Materialien. Halle 27
 
Projekt 360° Energieeffizienz
 
Verschiedene Aussteller haben sich kürzlich zum Projekt 360° Energieeffizienz zusammengeschlossen, darunter Janitza electronics mit Energiemessgeräten für effizienten Stromeinsatz, Glen Dimplex Deutschland als Kühl- und Wärmetechnik-Spezialist mit Hocheffizienz-Wärmepumpen und Kaeser Kompressoren als Systemanbieter für individuelle effiziente Druckluftlösungen. Halle 27
 
Digital Energy als neue Sonderschau
 
Die neue Sonderschau „Digital Energy“ zeigt intelligente Lösungen zum Energiemanagement. Zu den Ausstellern zählen Anbieter wie Restore (Demand-Response-Lösungen beim Lastmanagement) und IngSoft (Spezialsoftware für webbasierte Anwendung). „Erfahrungsgemäß können durch systematisches Energiecontrolling zehn bis 15 Prozent der Energiekosten ohne signifikante Investitionen eingespart werden“, stellt die Nürnberger Firma IngSoft fest. Oft könnten bereits „die richtigen Informationen zur richtigen Zeit“ einen erheblichen Beitrag zur Vermeidung unnötigen Energieverbrauchs leisten. Halle 12
 
Wasserstoff – die Alternative?
 
Wasserstoff ist ein vielseitiger Energieträger, der Fahrzeugen mit Brennstoffzelle plus Elektromotoren als Energielieferant dienen kann. Das Gas kann man auch weiterverarbeitet ins Netz einspeisen, womit wiederum elektrische Energie oder Heizwärme erzeugt werden können. Wasserstoff lässt sich aber auch als Kraftstoff in Verbrennungsmotoren nutzen.
 
Die Energy gilt als wichtige Plattform für die industrielle Anwendung von Wasserstoff. Neu ist der Wasserstoffpfad für Fachbesucher, auf dem 20 Unternehmen ausgereifte Technologien und Optionen für die Wertschöpfungskette von Wasserstoff zeigen. ITM Power stellt zum Thema Speicherung und saubere Brennstoffe eine Reihe von Elektrolyseur-Großanlagen bis zu 100 MW vor, um der Nachfrage der Energieversorger und der Öl- und Gasindustrie nachzukommen. Halle 27
 
MobiliTec – Verkehrssysteme der Zukunft
 
Im Bereich MobiliTec spielt Wasserstoff neben der Ladeinfrastruktur, den Batterien und Speichern ebenfalls eine wichtige Rolle – ob nun in der Power-to-Gas-Technologie, direkt für Brennstoffzellen oder für die Sektorkopplung. Parallel zu batteriebetriebenen Elektroautos wächst der Markt für Brennstoffzellenfahrzeuge. Das bestehende Zapfsäulennetz soll bis 2023 auf etwa 400 Wasserstofftankstellen ausgebaut werden. Die Bundesregierung will dafür rund 247 Mio. Euro bereitstellen. Halle 27 und Freigelände
 
Mobility & Storage
 
Der Markt für Speicher- und Batterietechnologien wächst stetig: Namhafte Aussteller wie GP Joule, CE+T Power aus Belgien oder EnBW (am Baden-Württemberg-Stand) präsentieren Lösungen für Ladeinfrastruktur. Auf dem Gemeinschaftsstand Hydrogen + Fuel Cells + Batteries werden mehr als 150 Anbieter aus über 25 Ländern erwartet, darunter viele aus den USA. Auch Autobauer BMW engagiert sich hier erstmals mit der Brennstoffzelle für PKW. Halle 27
 
Autor: Sybille Nobel-Sagolla
 
Weitere Informationen: http://www.hannovermesse.de/