Smart Home schwierig zu verkaufen

News vom Münchner Energiekongress: Für Matthias Trunk, Vertriebsvorstand der Berliner Gasag, ist Smart Home für Haushaltskunden ein schwieriges Geschäft.
nach Quelle: E&M PowerNews, 7. September 2017

Es gebe viele Anbieter auf dem Markt für Smart-Home-Anwendungen. Als Energieversorger hier eine entscheidende Marktposition aufzubauen sei herausfordernd, sagte Trunk beim Deutschen Energiekongress in München. Smart-Home-Angebote für Privatnutzer seien ein zähes Geschäft, da man auch mit Anbietern wie beispielsweise dem Kaffeeröster Tchibo oder der Elektrohandelskette Conrad konkurriere, die ebenfalls günstig diese Geräte anbieten. „Und wenn der Kunde 5,99 Euro im Monat mehr zahlen soll für ein Smart-Home-Angebot, dann ist er weg.“ Diese Erfahrung habe er bereits in Neumünster (Schleswig-Holstein) gemacht, wo Trunk zuvor Geschäftsführer der dortigen Stadtwerke war.

Die Gasag sieht im Großkundenmarkt mehr Chancen für Smart Home, hier vor allem im Wohnungsbaubereich. Die Wohnungsbaugesellschaften sind dabei zunehmend an einem umfassenden Ansatz interessiert: Energiemanagementsysteme, Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, Carsharing, Mieterstrom stünden dabei zur Diskussion. „Wärme, Kälte, Sicherheit und Komfort wachsen zusammen“, stellt Trunk fest. In diesem Zusammenhang werde auch das Thema Smart Home nachgefragt.
Vorteil sei, dass die Wohnungsbaugesellschaften der Nachfrager seien und nicht der Mieter, was vieles erleichtere. Denn die Gesellschaft habe so Zugriff auf Daten wie Leerstände oder Heizungsverbrauch. Technisch komme dabei nicht das Smartphone zum Einsatz. „Das läuft über Kabel und wird beim Bau gleich mit verbaut“, so Trunk. Das Wohnungsbauunternehmen habe so gleich alle Daten zur Hand. Für diesen Service ist auch eine Zahlungsbereitschaft der Unternehmen vorhanden.

200 000 Stromkunden bis Ende des Jahres angepeilt
Gleichwohl vernachlässige die Gasag nicht das Endkundengeschäft. Seit 2013 bietet der originäre Gasversorger auch Ökostrom an. Zurzeit beliefere die Gasag bundesweit rund 130 000 Kunden mit Strom, sagte Trunk, wobei der Großteil in Berlin Zuhause sei. Bis Ende des Jahres peilt das Unternehmen die 200 000-Kunden-Marke an. „Der Businessplan ist aufgegangen.“
Das Unternehmen probiere bei der Kundenansprache eine Vielzahl von digitalen Kanälen aus. „Wir wollen das Online-Geschäft ausweiten.“ Ziel soll es sein, beispielsweise über Facebook nicht nur Kunden anzusprechen, sondern darüber auch Kunden zu gewinnen, sagte Trunk. Er stelle fest, dass die Kunden – auch im Haushaltsbereich – zunehmend umfassend beliefert werden wollen. Hier sei die Gasag mit ihren Angeboten aus Strom, Gas beziehungsweise Wärme, gut aufgestellt. „Die Gasag ist wie Berlin, immer in Aufregung, immer in Bewegung.“
Dass der Energieversorger als Anbieter von fossilem Erdgas im Zuge der Dekarbonisierung aus der Zeit fällt, glaubt Trunk nicht. Die vorhandene Erdgasinfrastruktur könne und müsse sinnvoll eingesetzt werden, um vor allem die Wärmewende voranzutreiben. Biogas, synthetisches Gas sowie die Power-to-Gas-Technik werden hier eine entscheidende Rolle spielen.

Autor: Stefan Sagmeister

Weitere Informationen unter:
https://www.sv-veranstaltungen.de/fachbereiche/12-deutscher-energiekongress/