Mieterstrom als Chance für BHKW

Mieterstrom aus Photovoltaikanlagen ist ein großes Thema. Doch die Modelle rechnen sich vor allem mit Blockheizkraftwerken (BHKW).
nach Quelle: E&M PowerNews, 26. Juni 2017
Zwar sei die geplante Mieterstromnovelle mit ihrer Förderung von Solarstrom ein Schritt in die richtige Richtung, aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei aber der Einsatz eines Blockheizkraftwerkes (BHKW) zur Mieterstromversorgung besser geeignet. Das sagte Meno Kühl, Vertriebsmanager beim Energieunternehmen Lichtblick, bei einer Internet-Veranstaltung, einem sogenannten Webinar, des Bundesverbandes neue Energiewirtschaft (BNE). Denn der Vertrieb von Mieterstrom sei eine sehr aufwendige Angelegenheit, aufgrund der höheren Stromausbeute eines BHKW sei dessen Einsatz daher finanziell lukrativer.
 
Das sogenannte Mieterstromgesetz wurde am 26. April im Bundeskabinett verabschiedet und durchläuft aktuell die gesetzgeberischen Instanzen. Noch vor der parlamentarischen Sommerpause soll es verabschiedet werden, sagte Bernd Beckmann von der Kanzlei Raue. Dabei handle es sich aber nicht um ein eigenes Gesetz, sondern bestehende Paragrafen würden dazu angepasst, vor allem im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Die Betreiber von Mieterstromanlagen auf dem eigenen Dach bekommen unter anderem eine Förderung von 2,21 Cent/kWh bis 3,81 Cent/kWh, je nach Größe der PV-Anlage. „Weiterhin ist der Mieterstrom von netzseitigen Entgelten und Umlagen sowie von der Konzessionsabgabe und der Stromsteuer befreit“, so Raue.
 
Und genau hier sieht Kühl von Lichtblick ein Problem. Da die Netzentgelte und Konzessionsabgaben regional durchaus erheblich schwanken können, biete sich Mieterstrom dort an, wo diese Abgaben sehr hoch seien. Allerdings müssen Anbieter von Mieterstrom auch für jedes Netzgebiet nachrechnen, wo es sich lohnt und wo nicht.
 
Hinzu kommt aus seiner eigenen Erfahrung noch ein sehr hoher Vertriebsaufwand – so hoch, dass er die Erlöse zunichtemachen könne. Denn prinzipiell müsse jeder Mieter angesprochen werden. Lichtblick mache das bei seinen Mieterstromprojekten aktuell über nicht personalisierte Schreiben, Plakataushänge im Gebäude oder über Mitarbeiter. Fazit: „Der initiale Aufwand für die Absprache mit den Netzbetreibern sowie die vertriebliche Einzelansprache sprengen die Erträge“, so Kühl. Und das trotz der Förderungen für den Solarstrom vom Hausdach.
 
Lichtblick habe bislang die Erfahrung gemacht, dass sich BHKW für den Vertrieb von Mieterstrom besser rentieren. Vor allem weil die Stromausbeute bei einer KWK-Anlage viel höher sei als bei einer PV-Anlage. Es könne mehr Strom an die Mieter abgeben werden, Überschüsse können besser vermarktet werden und gleichzeitig müsse weniger Strom aus dem Versorgungsnetz bezogen werden. „Wirtschaftlich kann die PV-Anlage derzeit einem BHKW nicht das Wasser reichen.“
 
Wie Markus Meyer, Leiter Strategie und Politik beim BNE, sagte, erhofft sich die Politik allerdings einiges von dem neuen Gesetz. So sollen die Mieter von dem günstigeren Strom profitieren, denn der Mieterstrompreis ist nach oben gedeckelt. Der Angebotspreis darf höchstens 90 Prozent des örtlichen Grundversorgungstarifs betragen. „Die Mieter profitieren von einer Strompreisbremse.“ Zudem können Immobilienbesitzer Zusatzerlöse erzielen und den Wert ihrer Immobilie steigern.
 
Drei bis fünf Mio. Wohneinheiten in Deutschland würden für eine Versorgung mit Mieterstrom infrage kommen, so Meyer. Würden alle Wohnungen dieses Angebot nutzen, so stünden rund drei Mrd. kWh Strom „für die solare Mieterstrom-Direktversorgung zur Verfügung.“
 
Autor: Stefan Sagmeister