Solaranlage, E-Auto, Waschmaschine

Die MEP Werke planen in diesem Jahr einen massiven Vertriebsausbau. Geschäftsführer Konstantin Strasser setzt dabei nicht mehr nur auf Solaranlagen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 19. Mai 2017


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Skaleneffekte. Das ist für Konstantin Strasser ein entscheidender Faktor, wenn Unternehmen im solaren Endkundengeschäft in Deutschland wirtschaftlich erfolgreich sein wollen. Er ist Geschäftsführer der MEP Werke GmbH mit Sitz in München.Das Solarunternehmen wurde 2011 gegründet und startete 2013 das Solaranlagenmietmodell für Privatkunden.
Den Umsatz konnten die MEP Werke in den vergangenen Jahren mit diesem Geschäftsmodell kontinuierlich steigern – von über 7 Mio. Euro im Jahr 2015 auf knapp 20 Mio. Euro im vergangenen Jahr. 2017 soll am Ende ein Umsatz von 70 bis 90 Mio. Euro stehen.
 
Das satte Plus soll künftig jedoch nicht nur durch Solaranlagen, unter anderem von den Herstellern von REC und ABB, auf privaten Dächern erwirtschaftet werden. Der Kunde soll von Mitte 2017 an auch das E-Auto oder die Waschmaschine über die MEP Werke leasen können.
 
Das Geschäft laufe derzeit nach Plan: „Wir haben im März 400 Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 1,5 MWp verbaut und werden dies in den nächsten Monaten noch weiter steigern“, freut sich Strasser über die Zahlen seines Unternehmens. Der Geschäftsführer rechnet damit, dass seine Mitarbeiter künftig bis zu 800 Anlagen im Monat montieren werden. „Wir haben bundesweit derzeit knapp 500 Mitarbeiter im Einsatz und stellen jeden Monat etwa 40 neue ein“, so Strasser. Es sind vor allem Außendienstmitarbeiter für Vertrieb und Montage, die gesucht werden.
 
Das Münchner Unternehmen generiert laut eigenen Angaben monatlich über Internet, TV und weitere Werbekanäle mittlerweile bis zu 20 000 Leads, daraus entstehen wöchentlich etwa 1 500 bis 2 000 Termine für die Außendienstmitarbeiter, verteilt auf zwölf Standorte in Deutschland. Bei dem anhaltenden Trend dürfte sich bis zum Ende des Jahres die Anzahl der Kunden verdoppeln, prognostiziert Strasser für sein Unternehmen. Die MEP Werke haben derzeit knapp 5 000 Privatkunden.
 
Die Mitarbeiter verkaufen und montieren Anlagen zwischen zwei und 9,98 kWp – je nach Verbrauch und Kundenwunsch. Für den Erfolg sind für Strasser mehrere Faktoren wesentlich: „Es ist nicht nur der Vertrieb relevant, sondern unter anderem auch das Angebot. Bei uns erhält jeder Kunde, der eine Solaranlage mietet, einen Komplettpreis.“ Bei vielen Wettbewerbern sei dies anders. Wenn es baulich komplizierter wird, beispielsweise wenn eine größere Gerüstfläche oder ein Zählerkastenumbau notwendig ist, dann werde dies oftmals extra berechnet. Auch spezielle Ziegeldächer, die teilweise vermörtelt sind, oder Schieferdächer müssten in der Einzelbetrachtung im Grunde immer abgelehnt werden oder es kommen horrende Zusatzkosten auf den Kunden zu. Dass sei bei einer Mietanlage der MEP Werke eben nicht so, erklärt Strasser. Die Anlage wird – wie komplex der Aufbau auch ist – immer zu dem vereinbarten Komplettpreis installiert und gewartet. Kunden können eine PV-Anlage ab 49 Euro im Monat mieten. „Das ist aber nur dann möglich, wenn sie dies über die Skaleneffekte auch auffangen können“, so Strasser. Das wiederum sei nur mit einer gewissen Anzahl an Anlagen möglich. „Wenn ein Unternehmen nicht nur 30 Anlagen im Monat verbaut, sondern wie wir mehrere Dutzend am Tag, dann bekommt man das über Skaleneffekte hin.“
 
Um trotz der hohen Stückzahl die Qualität und einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, seien nur eigene, fest angestellte Mitarbeiter unterwegs. Weder Vertrieb noch Montage sei an Subunternehmer ausgelagert, damit hätte das Unternehmen schlechte Erfahrungen gemacht. Und unsauberes Arbeiten, etwa der Montageteams, würde sich sicherlich irgendwann in der Bilanz niederschlagen: Denn die MEP Werke garantieren jedem Kunden 20 Jahre lang ein quasi Rundum-sorglos-Paket. Strasser: „Versicherungs-, Wartungs- und Servicekosten sowie alle elektronischen Bauteile, die innerhalb dieser 20 Jahre ausgetauscht, repariert werden müssen, ob das Wechselrichter, Module, Kabel oder sonstige Teile sind, das ist bei uns im Preis inbegriffen.“
Langfristig finanziert wird die Geschäftsidee über eine strukturierte Finanzierung in Form von Climate-Bonds-zertifizierten „Green Loans“ oder „Green Bonds“. Darüber hat sich die Muttergesellschaft der MEP Werke, die Private-Equity-Gesellschaft Strasser Capital, erst kürzlich 30 Mio. Euro gesichert. Besichert wird dieses Geld eben über die Erlöse aus Solarmietforderungen deutscher Hauseigentümer. Strasser Capital will dieses strukturierte Finanzierungsmodell weiter nutzen, um das MEP-Solaranlagenmietmodell weiter auszubauen. Von der NIBC Bank Deutschland AG habe MEP die Zusage für eine weitere Asset-Finanzierung erhalten. Gemeinsam mit der Partnerbank NIBC entwickelte die Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben die erste strukturierte Finanzierungslösung ihrer Art in Europa, die sich den Mieterverhältnissen im deutschen Photovoltaikmarkt widmet, und ermöglicht damit einem breiten Investorenkreis, in das MEP-Geschäftsmodell und die Energiewende zu investieren. Immerhin soll sich das Unternehmen in diesem Jahr durch einen massiven Vertriebsausbau stärker vom Wettbewerb absetzen und dazu sind weitere Angebote geplant.
 
Künftig sollen die Mitarbeiter nicht nur eine Solaranlage, sondern − je nach Kundenwunsch − das E-Auto, den Kühlschrank oder die Waschmaschine möglichst gleich mit vermieten. Derzeit seien sie zum einen mit Autoherstellern wie etwa Peugeot in Gesprächen. „Wir möchten dabei auch Fahrzeuge als mobile Speicher anbieten, die bidirektional laden können, also einerseits den Strom aus der Solaranlage ziehen und andererseits den Strom auch wieder abgeben können“, erklärt Strasser.
 
Zum anderen soll Mitte dieses Jahres eine weitere Produktgruppe mit angeboten werden – und zwar Haushaltsgeräte. „Dann sind wir so positioniert, dass wir den mobilen Akku über das E-Auto haben, die Solaranlage fest installiert und auch noch die Haushaltsware in der Miete haben, womit der Kunde zwei Verbrauchsgüter hat, die über die Solaranlage laufen, und in gewisser Weise auch noch ein bisschen Lifestyle.“ Um es möglichst vielen schmackhaft zu machen, wird derzeit an Leasing-Angeboten gefeilt. Wie viel die Miete der Waschmaschine oder des E-Autos ausmacht, wird derzeit noch intern kalkuliert, so Strasser. Auch wird darüber nachgedacht, nicht nur die Vermietung anzubieten, sondern auch den Verkauf sowie die Finanzierung über die Bank. In den nächsten Wochen sollen weitere Details veröffentlicht werden. Strasser: „Am Ende sind wir ein Convenience-Unternehmen, das versucht, alle komplexen Themen bei sich zu implementieren und es den Kunden möglichst einfach darzustellen.“
 
Autorin: Heidi Roider
 
Weitere Informationen: https://mep-werke.de/newsroom/