Energieeffizienzsteigerungsziele im Winterpaket der EU-Kommission – Wie realistisch sind sie?

Die Europäische Kommission beabsichtigt, neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien die Einhaltung der Klimaziele mit Vorschlägen für Energieeffizienzmaßnahmen zu unterstützen. Wie diese Vorschläge der Kommission zu bewerten sind, diskutierte das Forum fü
nach Quelle: Pressemitteilung Forum für Zukunftsenergien e.V., Februar 2017

Wie der am gleichen Tag vorgestellte zweite Bericht zur Lage der Energieunion aufzeige, befinde sich Europa auf gutem Wege, seine Effizienzsteigerungsziele für 2020 zu erreichen, berichtete Dr. Bernd Biervert, stellvertretender Kabinettschef des für die Energieunion zuständigen Vizepräsidenten der EU-Kommission Maroš Šefčovičund ehrenamtlicher Vorsitzender des „European Energy Colloquium“. Für das Jahr 2030 müsse daher das bisher unverbindlich geltende Ziel von 27 Prozent Effizienzsteigerung durch ein verbindliches Ziel von 30 Prozent ersetzt werden. Die Steigerung der Energieeffizienz sei neben dem vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien ein wichtiges Werkzeug, um das Klimaziel von Paris zu erreichen. Entsprechende Vorschläge habe die Europäische Kommission bereits am 30. November 2016 unterbreitet. Die darin enthaltenen Maßnahmen zielten darauf ab, die Energieeffizienz insgesamt zu verbessern, jene von Gebäuden im Besonderen zu erhöhen und den Energieverbrauch von Geräten zu senken. Europa solle bei der Entwicklung von Effizienztechnologien eine Führungsrolle einnehmen. Die Kommission erhoffe sich von den Maßnahmen 400.000 neue Arbeitsplätze, 12 Prozent geringere Gasimporte, 70 Mrd. Euro Ersparnis beim Import von fossilen Energieträgern sowie um 8,3 Mrd. Euro reduzierte Gesundheitskosten.  

MinDirig Ulrich Benterbusch, Unterabteilungsleiter II B, Effizienz und Wärme in Industrie und Haushalten, nachhaltige Mobilität, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, begrüßte die vorgeschlagene Verschärfung des Emissionsreduktionsziels der EU, denn es brauche ambitionierte Ziele aus Brüssel, um die nationale Politik voranzubringen. Die Energieeffizienz in Deutschland zu steigern, habe sich jedoch bisher als sehr schwierig erwiesen. Man sei von dem Ziel, die Energieeffizienz bis 2020 im Vergleich zu 2008 um 20 Prozent zu steigern, mit aktuell erreichten sieben Prozent noch weit entfernt. Gerade im Wärmebereich ergebe sich ein großes Potential durch Nutzung von Abwärme aus Industriebetrieben, mit der theoretisch große Teile des Bedarfs des Wärmemarktes gedeckt werden könnten. Ebenso müssten die Anstrengungen, erneuerbare Energien in den Wärme- und Verkehrssektor zu bringen, erhöht werden. Der Klimaschutzplan 2050 setze dafür entsprechende sektorale Ziele. Er glaube jedoch nicht, dass diese ausschließlich über die Elektromobilität im Verkehrssektor zu erreichen seien. Mit Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung gehe er ebenso wie Dr. Biervert von Wachstumseffekten durch Effizienzmaßnahmen aus. Die vorgesehenen Maßnahmen würden zu einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 40 Mrd. Euro, bzw. einer Steigerung um 1,6 Prozent führen. 190.000 neue Vollzeitstellen könnten bis zum Jahr 2020 laut einer Studie geschaffen werden.  

Anton Koller, Präsident District Energy und Mitglied des Boards Osteuropa, Danfoss A/S, hob hervor, dass „Energieeffizienz“ und „Wachstum in Europa“ keinen Widerspruch darstellten. Durch die angedachten Maßnahmen würden beispielsweise Innovationen angeregt, die nachhaltiges Wachstum und die lokale Wertschöpfung förderten. Ein besonders großes Potential der Effizienzsteigerung sehe er in der Digitalisierung. So könnten Smart Meter das Nutzerverhalten transparent machen, wodurch ein gezielterer Einsatz von Energie möglich werde. Ebenso könne beispielsweise über Geräte wie Wärmepumpen Regelenergie angeboten werden. Außerdem sei es möglich, Gebäude mit einer Steuerungselektronik auszustatten, die die Heizungsanlage entsprechend des Wetterberichts steuert. Global gesehen könne mit einfachen Methoden viel Energie gespart werden. So sei es etwa in vielen Ländern nicht üblich, Räume unterschiedlich stark zu beheizen; auch werde häufig noch immer die gewünschte Temperatur über ein geöffnetes Fenster reguliert. Der Einbau von Thermostaten an den Heizkörpern bringe in solchen Fällen beträchtliche Einsparungsgewinne. 

Die N-ERGIE GmbH begrüße den Prozess zur Weiterentwicklung des Themenfeldes „Energieeffizienz“, da er eine wichtige und zentrale Säule der Energiewende darstelle, erläuterte Stefan Lochmüller, Abteilung Strategische Unternehmensentwicklung. Jetzt gelte es, den Rahmen in konkrete Maßnahmen umzusetzen und beispielsweise die Transformation des Gassektors rechtzeitig und entschieden anzugehen, da dieser nicht so schnell zu wandeln sei. Generell halte er strenge Einsparziele nicht für sinnvoll. Statt Geboten und Verboten sehe er die Lösung in der Anregung vieler kleiner Maßnahmen. Wichtig sei es, dass dieser Prozess technologieoffen ablaufe und der Bürger bei konkreten Maßnahmen eine Wahlfreiheit habe. Anderenfalls sei die Akzeptanz der Bevölkerung für diese Maßnahmen schnell verspielt.   

In der Podiumsdiskussion diskutierten die Vortragenden unter der Moderation von Dr. Annette Nietfeld, Geschäftsführerin, Forum für Zukunftsenergien.  

Mit Blick auf die Frage, inwiefern die vorgesehenen Effizienzmaßnahmen die globale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen erhöhen könnten wurde argumentiert, dass ein noch zu erarbeitender Technologievorsprung in diesem Segment aufgrund des weltweit geltenden Klimaschutzabkommens von Vorteil sei.  

Zur Zukunft des Primärenergieträger Gas insbesondere nach 2030 gab es eine sehr kontroverse Diskussion. Man wolle die Gasinfrastruktur nicht entwerten und sei sich auch des Sachverhaltes bewusst, dass bestimmte Techniken wie der Verbrennungsmotor nicht von heute auf morgen aus dem Markt genommen werden könnten. Langfristig stehe der Energieträger Gas gerade auch im Wärmemarkt vor dem aus. Daran änderten auch die aktuell wieder zunehmende Beachtung dieses Primärenergieträgers und der Umstand, dass im Bundeswirtschaftsministerium ein „Runder Tisch Erdgasmobilität“ gegründet worden sei, nichts. 

Schließlich wurde darüber diskutiert, wie die enormen Abwärmepotentiale in Europa genutzt werden könnten. Als besonders hilfreich habe sich dafür ein Ansatz gezeigt, bei dem insbesondere auf kommunaler Ebene Netzwerke aufgebaut würden, in denen sich über Leuchtturmprojekte ausgetauscht und diese entsprechend adaptiert werden könnten.  

Die Präsentationen von MinDirig Ulrich Benterbusch, Anton Koller und Stefan Lochmüller stehen für die Mitglieder des Forum für Zukunftsenergien auf der Website (Presse/Publikationen) zum Download bereit. Sollten Sie persönlich oder Ihr Unternehmen / Ihre Institution Mitglied im Forum für Zukunftsenergien sein und noch keine Zugangsdaten haben, senden Sie bitte eine E-Mail an:

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Das Forum für Zukunftsenergien bedankt sich bei der Siemens AG für die Unterstützung sowie bei der Landesvertretung Rheinland-Pfalz für die Gastfreundschaft.

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