Deutschland hinkt bei Elektromobilität hinterher

Die Zahl der Elektroautos ist einer Studie zufolge seit 2011 weltweit um das Zwanzigfache gestiegen. Deutschland hinkt jedoch hinterher.
nach Quelle: E&M PowerNews, 07. März 2017
Insgesamt sind einem Report zufolge aktuell rund zwei Millionen E-Autos weltweit auf den Straßen unterwegs. Das ist das Ergebnis einer Studie von WWF und Lichtblick mit dem Namen „Driving the Energy Transition“. Die Autoren geben an, dass Förderanreize für Elektroautos in China oder Norwegen und technische Innovationen aus den USA die Bundesrepublik zusehends abhängen. Demnach hatten Elektroautos bei den Neuzulassungen in Deutschland 2016 lediglich einen Anteil von 0,7 Prozent, während es in Norwegen 29,3 Prozent waren.
 
Bezüglich des Klimaschutzes sagt Viviane Raddatz, Klima- und Energieexpertin beim WWF Deutschland, dass dieser nur dann gelingen könne, „wenn die Zukunft aus elektrisch betriebenen Autos, Bussen und Rollern besteht, die Strom aus erneuerbaren Energien tanken“. Der Verkehrssektor sei bis heute der einzige Wirtschaftsbereich, der noch keinen Beitrag zum Klimaschutz geleistet habe. Die Kaufprämie für Elektrofahrzeuge alleine greife als Anreiz bislang nicht. Andere Länder kurbeln die Verbreitung von E-Fahrzeugen laut der Studie mit deutlichen Steuervergünstigen, Zulassungsbeschränkungen für Verbrennungsmotoren oder Pflichtquoten an.
 
 
Ein entscheidender Baustein für den Erfolg der Verkehrswende ist für den WWF und Lichtblick die Integration von E-Autos in das Stromsystem. Deshalb müssten Elektroautos und öffentliche Ladesäulen so ausgerüstet werden, dass die Batterien nicht nur Strom laden, sondern auch ins Netz zurückspeisen können, fordern die Energiewende-Partner. „Die Batterien der E-Fahrzeuge bieten auch Speicherpotenzial, das wir benötigen, um den Ausbau von Wind- und Sonnenstrom zu flankieren und unsere Stromversorgung zu sichern“, so Gero Lücking von Lichtblick.
 
E-Autos könnten allein in Deutschland bis 2050 ein Speicherpotenzial von 250 Gigawattstunden ausmachen. Das ist das Sechsfache des heute in Pumpspeicherkraftwerken bereitstehenden Puffers für das Stromnetz. Testprojekte haben den Angaben zufolge gezeigt, dass ein E-Auto als Zwischenspeicher für Wind- und Sonnenstrom bei einer zehnjährigen Batterienutzung mehr als 10 000 Euro erwirtschaften könnte.
 
Die Studie „Driving the Energy Transition“ kann als PDF kostenlos von der Seite des WWF heruntergeladen werden.
 
Autor: Jonas Rosenberger