Stromnetzentgelte neu strukturieren

Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet an einem Gesetz, das Stromnetzentgelte auf der Übertragungsebene vereinheitlicht und von Kosten aus vermiedenen Netzentgelten entlastet.
Nach Quelle: E&M Powernews, 04. November 2016

Das Gesetz zur Modernisierung der Netzentgeltstruktur, an dem das Bundeswirtschaftsministerium gerade arbeitet und das noch in diesem Jahr vom Kabinett verabschiedet werden soll, hat zwei Ziele. Zum einen soll es die Übertragungsnetzentgelte bundesweit vereinheitlichen und damit gerechter verteilen – bislang werden sie in den vier Regelzonen unterschiedlich festgelegt. Zum anderen ist vorgesehen, die Netzentgelte von Vergütungen zu entlasten, die Betreiber von dezentralen Stromerzeugungsanlagen dafür bekommen, dass diese einen Netzausbau auf Übertragungsebene vermeiden.

Die Vereinheitlichung der Übertragungsnetzentgelte hält man im Ministerium deshalb für angebracht, weil damit Kosten der Energiewende gleichmäßiger verteilt werden. Diese Entgelte würden immer mehr durch Umstände geprägt, die der einzelne Übertragungsnetzbetreiber nicht beeinflussen könne, heißt es in einem Arbeitspapier.

Zuletzt waren sie in den Regelzonen von Tennet und 50Hertz, in denen sehr viel erneuerbare Erzeugungsleistung entstanden ist, wesentlich stärker angestiegen als in den Regelzonen von Amprion und Transnet BW, in denen weniger Wind- und Solarstrom produziert wird. Doch nicht nur die Integration des Ökostroms in die Netze treibt die Kosten und damit die Entgelte bei Tennet und 50Hertz. Die beiden Regelzonen müssen wegen des starken Ökostromausbaus auch einen wesentlich höheren Aufwand für Einspeise- und Engpassmanagement betreiben – und auch das erhöht die Netzentgelte. Die Bundesregierung hält diese Unterschiede nicht für gerecht verteilt und will deshalb die Netzentgelte vereinheitlichen.

Vermiedene Netzentgelte abschaffen

Das Instrument der vermiedenen Netznutzungsentgelte passt nach Ansicht des Ministeriums nicht mehr zur heutigen Realität. Denn durch dezentrale Stromerzeugung, die bei der Einführung der vermiedenen Netznutzungsentgelte 2005 dafür belohnt werden sollte, dass sie Strom unterhalb der Übertragungsebene einspeiste, wo er auch verbraucht wird, würden Netzausbaukosten heute nicht mehr vermieden, sondern teilweise sogar erhöht.

Geplant ist, die Zahlungen für vermiedene Netzentgelte an die Betreiber von dezentralen Erzeugungsanlagen, die zuletzt kontinuierlich anstiegen und im Schnitt schon etwa 10 % der gesamten Netzkosten in Deutschland ausmachen, deutlich zu reduzieren.

Dafür soll die Berechnungsgrundlage für die vermiedenen Netznutzungsentgelte zunächst auf dem Stand des Jahres 2015 eingefroren sowie die daraus resultierenden Zahlungen an die Anlagenbetreiber ab 2018 über zehn Jahre abgeschmolzen werden und auslaufen. Für neue dezentrale Erzeugungsanlagen soll es keine Zahlungen für vermiedene Netznutzungsentgelte mehr geben.

Die Netzentgelte für das Übertragungsnetz machen bei einem Privathaushalt rund 3,5 bis 5 % am Strompreis aus. Insgesamt resultierte 2016 etwa ein Viertel des Haushaltstrompreises aus Netzentgelten.

Nach Autor: Peter Focht