Biogas- und Abgas-Spezialisten

Mit dem Anfang und dem Ende eines Gasstrangs für Blockheizkraftwerke setzen sich die Konstrukteure von Aprovis intensiv auseinander.
nach Quelle: E&M powernews, 31.01.2018

Wer aus seinem Blockheizkraftwerk möglichst viel Energie gewinnen will, darf vor allem keine Wärme verloren gehen lassen. Die Konstrukteure der Aprovis Energy Systems GmbH aus Weidenbach südwestlich von Nürnberg haben deswegen vor allem den kompletten Abgasstrang von BHKW-Anlagen im Blick: den Abgaswärmetauscher, wenn nötig die Dampferzeuger, den Economizer, aber auch Schalldämpfer und Katalysatoren.

Seit dem Jahr 2000 entwickeln und konstruieren sie vorrangig Abgaswärmetauscher und mittlerweile auch die restlichen Bauteile für den Abgasstrang, erläutert Aprovis-Geschäftsführer Steffen Hauff gegenüber E&M. Die Kunst ist es hierbei, ein Gesamtpaket zu erstellen, das eine möglichst hohe Energieauskopplung erlaubt und zugleich nur geringe Druckverluste am Motor verursacht. Die Gesamtoptimierung aller Aggregate im Abgasstrang, beginnend beim Wärmetauscher, sei mittlerweile eine der Stärken des Unternehmens geworden, sagt Hauff.

Erfolgreich waren die Konstrukteure mit ihrem Angebot bei den drei großen Motorkraftwerken, die derzeit in Deutschland bei den Stadtwerken Kiel, bei den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden sowie für EnBW in Stuttgart entstehen. Für alle drei Projekte liefert Aprovis die Technik für die Abwärmenutzung. Die Spezialität dabei ist laut Hauff, dass die Wärmetauscher zweistufig ausgeführt sind mit Wärmeauskopplungen auf der Hoch- und Niedertemperaturstufe.  

Auf die Forderungen der künftigen TA Luft vorbereitet

Eine Komponente, die in Zukunft im Abgasstrang immer wichtiger wird, ist der Katalysator zur Abgasreinigung. Sowohl bei Oxidationskatalysatoren als auch bei SCR-Katalysatoren zur Reduktion von Stickoxiden in Abgasen hat der Anbieter eigene Entwicklungen. Auf die Forderungen der künftigen TA Luft ist man deswegen laut Hauff vorbereitet, egal, wie sie im Detail aussehen werden. In Verbindung mit dem gesamten Abgasstrang könne man Lösungen bieten, die zum einen in bestehende Systeme integriert werden können und sich zum anderen auch in Neuanlagen einbauen lassen.

Das neueste technische Standbein der Franken ist die Brenngasaufbereitung, die etwa ab dem Jahr 2004 für Biogasanlagen entstanden ist. Hier liefert Aprovis die gesamte Gaskühlung, die Gasentfeuchtung, die Gaserwärmung und die Gasaufbereitung über Aktivkohlefilter sowie den Verdichter. Das Angebot gibt es mittlerweile nicht nur für Biogas, sondern auch für alle Sondergase wie Gruben-, Klär- oder Deponiegase aller Brennstoffe, die einer Gasaufbereitung vor der Nutzung in einem BHKW bedürfen.

Fertigungspartner sorgen für Flexibilität bei der Produktion

Die Teile, die in die Kraftwerke eingebaut werden, baut Aprovis nicht selbst. Das Unternehmen erledigt das Engineering und macht die Konstruktionszeichnungen. Gefertigt wird dann bei Partnern in Deutschland. Damit habe man auch für große Aufträge und Maschinen ganz unterschiedlicher Leistung – ausgerüstet werden Motoren von 10 kW bis 10 MW elektrischer Leistung – die nötige Flexibilität, betont Hauff.

Verkauft werden die Kraftwerkskomponenten in Deutschland und in der ganzen Welt. Rund 40 Mio. Euro Umsatz erwirtschaften die 130 Mitarbeiter, die meisten von ihnen Ingenieure und Techniker. 40 % des Umsatzes werden in Deutschland gemacht, 60 % durch den Export. Rund ein Viertel zum Umsatz steuert mittlerweile der Bereich Gasaufbereitung bei. Gefertigt werden alle Komponenten in Deutschland.

Trotz des schwierigen Kraftwerksmarktes in Deutschland ist Hauff optimistisch und erwartet im BHKW-Markt ein weiteres Wachstum. Das gilt einmal für den Bereich Biogas, in den die Flexprämie schon jetzt deutliche Bewegung gebracht hat. Aber auch von den Stadtwerken verspricht sich der Aprovis-Chef in der Zukunft weitere Aufträge. Bei den Industriekraftwerken sei es dagegen im Augenblick etwas schwierig, aber auch dieser Markt werde sich wieder erholen.

Der Trend geht zu Komplettpaketen für den Abgasstrang

Prinzipiell wird dank der Energiewende und dem vermehrten Einsatz von Wind- und Solarkraftwerken immer mehr flexibel einsetzbare und dezentrale Stromerzeugungskapazität benötigt. Die kann, und daraus speist sich Hauffs Optimismus, nach dem Abschalten der Kernkraftwerke und dem früheren oder späteren Auslaufen der Kohleverstromung eigentlich nur aus BHKW-Anlagen mit unterschiedlichen gasförmigen Brennstoffen kommen.

Eine zunehmende Nachfrage in den letzten drei, vier Jahren stellt der Geschäftsführer auch nach Dienstleistungen im Bereich Wartung und Service fest. Für den Service sorgt eine Technikertruppe mit rund 25 Personen, die auch im Ausland vor Ort an den Anlagen arbeiten kann. Die Serviceabteilung greift aber auch mittels Fernwartung auf die Anlagendaten zu und kann so im Vorfeld manche Probleme zusammen mit dem Betreiber klären, ohne dass jedes Mal ein Mitarbeiter zum Kraftwerk fahren muss.

Insgesamt sieht der Geschäftsführer mehr Nachfrage nach Komplettpaketen. Habe man früher in den Anfangsjahren von Aprovis hauptsächlich Wärmetauscher verkauft, so wollen die Kunden nun ein Paket über den ganzen Abgasstrang inklusive der Katalysatoren − und das am liebsten mit einem Wartungsvertrag. Den Grund sieht Hauff darin, dass für die Anlagenbetreiber mittlerweile Verfügbarkeit ein hohes Gut ist. Sie bevorzugen deswegen regelmäßige Überprüfungen, bevor es am BHKW zu Ausfällen kommt. Für den Anbieter bedeutet das, das Ohr immer nah am (BHKW-)Markt zu haben und zu hören, welche Bedürfnisse durch Gesetzgebung und Betreiberforderungen auf die Anlagenbauer und Komponentenlieferanten zukommen.

Autor: Armin Müller

Weitere Informationen:
https://www.aprovis.com/de/